Pflanzen - Besonderheiten/Sinne


Pflanzen-Besonderheiten/Sinne.

Pflanzen können über bestimmte Botenstoffe miteinander in Kontakt treten und vor Fressfeinden warnen. Auch können "Hilfstruppen" z.B. in Form von Schlupfwespen herbeigelockt werden. Sie reagieren auf Berührungen, können bestimmte Farben "sehen". Sie nehmen ihre Umwelt wahr, haben aber keine Gefühle und kein Bewusstsein wie wir Menschen.

Pflanzenfeundschaften erkennt man daran, dass sich ihre Wurzeln miteinander verfilzen.

Pflanzen können fühlen, sehen, riechen und schmecken, wahrscheinlich auch hören:
An der Spitze von Maiskeimlingen ist ein Lichtrezeptor, der dem Sehprotein Rhodopsin in den Stäbchen des menschlichen Auges entspricht. Der Rezeptor nimmt blaues Licht wahr und bewirkt durch eine Reihe von nachfolgenden Abläufen in der Pflanze eine Krümmung zum Licht hin. Deckt man die Triebspitze ab, kann er diese Funktion nicht mehr wahrnehmen.

Rezeptoren in den Blättern nehmen wahr, wenn sich das Verhältnis von hell- zu dunkelrotem Licht verschiebt, d.h., dass eine Nachbarpflanze Licht wegnimmt. Dadurch wird ein Reiz zu erhöhtem Wachstum angeregt. Das wird bei Tomaten ausgenutzt.

Pflanzen können mit Hilfe anderer Rezeptoren die Tageslänge feststellen und damit auch den Zeitpunkt ihrer Blüte festlegen.

UV-B-Strahlung ist für die Pflanzen gefährlich. Sie schützen sich mit farblosen Sonnenschutzverbindungen. Diese werden nicht oder kaum im Zimmer gebildet, so dass Zimmerpflanzen, wenn sie abrupt ins Freie gestellt werden, Schaden leiden. - Tradeskantien: Blatthärchen verfärben sich bei Umweltbelastungen leuchtend violett.

Die Wurzeln müssen über einen Geschmackssinn verfügen, damit sie die richtigen Nährstoffe aufnehmen können.

Auch die Schwerkraft und die Temperatur können erfühlt werden.

Der Tastsinn ist bei den rankenden Pflanzen gut ausgebildet. Andere Pflanzen reagieren z.B. bei starkem Wind, der sie durchschüttelt, mit verlangsamtem Wachstum. Selleriekeimlinge wachsen ebenfalls langsamer, wenn sie täglich durch eine wischende Bewegung gereizt werden, sie werden aber dadurch resistenter gegen Frost und Trockenheit.

Verschiedene Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Musik oder menschliche Sprache eine Einwirkung auf Pflanzen haben, sie wachsen schneller oder keimen besser. -

Bohnen, Gurken, Tomaten: Wenn sie angefressen werden, sondern sie Terpenoide ab. Diese Stoffe locken räuberische Insekten an, die dann über die Pflanzenfresser herfallen.

Pflanzen können infiziert werden: Schaffen es die Feinde nicht, so sprechen Pflanzenzüchter von Resistenz. Werden die Pflanzen zwar infiziert und befallen, leiden aber nicht darunter, dann handelt es sich um Toleranz.

Rosen: Rosen werfen alle Blätter ab, damit sich der Sternrußtau nicht weiter ausbreitet.

Tabakpflanze: Sie erhöht die Konzentration des Nervengiftes Nikotin in jenen Pflanzenteilen, an denen die Insekten gerade saugen oder knabbern.

Tomaten: Es gibt etwa F 1-Hybriden, die gegen Krautfäule resistent sind. Wer jedoch keinerlei durch Züchtung modifiziertes Saatgut oder entsprechende Pflanzen verfügt, greift auf solche aus biologischem Anbau zurück.

Die Venusfliegenfalle und die Mimose reagieren auf Berührung. Dabei wird der Reiz elektrisch weitergeleitet. Der Motor Ihres Klappmechanismus wird mit Hilfe von elektrischen Signalen aktiviert (1873, Burdon-Sanderson). So schicken Maiswurzeln per Stromstoß die Info 'Wasser' an den Rest der Pflanze, wenn sie nach einer Durstzeit wieder das kühle Nass zur Verfügung haben. Der Hibiskus dagegen bereitet mit Hilfe von Aktionspotenzialen kommendem Nachwuchs den Boden: Sobald eine Bestäubung stattgefunden hat, schickt die Pflanze Signale an das im Innern der Blüte liegende Ovar mit der Eizelle, wo dann der Stoffwechsel gesteigert wird. Und Tabakpflanzen setzen sogar doppelt auf Elektrizität: Werden sie verletzt, lösen sie sofort ein Aktionspotenzial aus und kurbeln damit die Produktion von Abwehrstoffen an. Etwas später schicken sie noch ein weiteres in seiner Stärke sehr variables elektrisches Signal hinterher, das möglicherweise 'Auskunft über den Schweregrad der Verletzung ergibt'. So sein Entdecker Axel Mithöfer, Max Planck-Institut Jena.

So lösen bestimmte Algen ungefähr alle 20 Minuten spontan ein Aktionspotenzial aus. Und Maiswurzeln verfügen oberhalb der Wurzelspitze sogar über ein Zellkonglomerat, das praktisch permanent elektrische Signale abgibt. Handelt es sich dabei womöglich um ein Gehirn, ein zentrales Integrationszentrum, wie der Bonner Wissenschaftler Frantisek Baluska glaubt? Sind Pflanzen sogar intelligent? Baluska zumindest plädiert in 'Bild der Wissenschaft' für eine Neubewertung der intellektuellen Fähigkeiten des Grünzeugs. Sein Argument: 'Pflanzen registrieren Umweltreize, verarbeiten sie und regieren mit einer gezielten Antwort - so wie es Nervensysteme können'. Er spricht sogar von 'Pflanzen-Neurobiologie'.

Dass Pflanzen über ein komplexeres System zur Informationsverarbeitung verfügen als bisher angenommen, bestätigen auch andere Pflanzenforscher. Der Begriff 'Neuro' sei jedoch absolut tabu.

Der Elektrophysiologe Dietrich Gradmann, der in den 1969er Jahren die spontanen Aktionspotenziale bei Algen entdeckt hatte, führt noch ein anderes Argument ins Feld: Tiere und Pflanzen nutzen für das Erzeugen der Impulse völlig andere Mechanismen - ein deutlicher Hinweis darauf, daß die Signale ursprünglich einen ganz unterschiedlichen Zweck erfüllen. Tiere lassen nämlich große Mengen positiv geladene Natriumteilchen in ihre Nervenzellen strömen und schleusen kurz danach ebenfalls positiv geladene Kaliumionen aus, um das Ladungsgleichgewicht wiederherzustellen. Anschließend kehren sie zum Grundzustand zurück. Pflanzen setzen dagegen auf einen Ausstrom negativer Chlorionen, dem sie positive Kaliumteilchen hinterherschicken. Das führt im Endeffekt zu einem Verlust an Ladungsträgern innerhalb der Zellen.

Gradmann bemüht noch einmal das Beispiel der Algen: Sie müssen damit leben, daß ständig Kalium und Chlorid aus dem Meerwasser einströmen, was auf die Dauer zu einem Problem wird. Ist die Salzkonzentration innerhalb der Zellen nämlich zu hoch, strömt Wasser nach und die Zellen können platzen. Mit dem regelmäßig auftretenden Aktionspotenzial kann der Gefahr gegengesteuert und das Salz entfernt werden.

Siehe auch 'Allelopathie'