Regen-/Kompostwürmer


Eisenia foetida

Regenwurm

Der hellrote Mist- oder Kompostwurm ist 6 - 8 cm lang und hat gelbe Ringe. Er benötigt höhere Temperaturen, vermehrt sich schnell unter guten Bedingungen in Kompost oder Mist (4 Generationen je Jahr) und verarbeitet alle organischen Abfälle zu hochwertigem Kompost, kann jedoch nicht in Gartenerde überleben. Er ist lichtempfindlich. Über Neudorff zu 500 Stück erhältlich. Siehe "Kompostbereitung".

Lumbricus terrestris.

Der Regenwurm (Tauwurm) ist am weitesten verbreitet. Er ist braun und bis zu 8 mm dick, mit flachem Schwanzende und länger als der Mistwurm. Es gibt ihn in 40 Arten in Deutschland. Eine Art wird bis zu 60 cm lang. Man findet ihn in reifem Kompost sowie in der Erde. Er ist wie der Mistwurm lichtempfindlich. Die meisten Kothäufchen stammen von ihm.

Allolobophora caliginosa.

Der gemeine Regenwurm ist blassrötlich gefärbt, 5 - 20 cm lang und hält sich besonders im Wurzelbereich der Pflanzen auf. Er meidet die Oberfläche und ist einer der Hauptakteure für die Lockerung des Bodens.

Alle Arten sind Zwitter. Sie atmen durch die Haut, haben also keine Lunge. Ihr Blut enthält Hämoglobin. Erwachsene Würmer tragen einen dunklen Genitalring etwa in Körpermitte. Sie paaren sich nachts bei feuchtem, warmem Wetter. Die Eier sind 1 mm groß mit einer zitronenförmigen Kapsel, sie werden in der Erde abgelegt. Die Jungen schlüpfen nach 21 Tagen unter günstigen Bedingungen und sind nach 2 - 3 Monaten geschlechtsreif.

Der Regenwurm bewegt sich fort unter Zuhilfename von winzigen Borsten an der Körperaußenseite. Die Borstenpaare kann er aufstellen und damit unter Umständen verhindern, dass er von einem Vogel herausgezogen wird. Werden mehr als die ersten vier Glieder abgerissen, muss er sterben. Er kann aber die ersten vier Glieder und zwei Drittel seines Hinterleibs auf Grund seiner hohen Regenerationskräfte ersetzen. Im Winter und in der Sommerhitze lebt er in tieferen Erdschichten. Er hat nur einen Tastsinn und wird bis zu 10 Jahre alt. Schon geringe Erschütterungen des Bodens veranlassen ihn, sich in die Erde zurückzuziehen. Bei Regen kommt er keineswegs heraus, sondern nur bei Erschütterungen der Erde durch Maulwürfe.

Er ernährt sich vor allem von angefaulten pflanzlichen und tierischen Abfällen, er vermischt sie mit mineralischer Erde und eigenen Verdauungssekreten und scheidet sie aus in den bekannten Kothäufchen. Diese sind ein wertvoller Dünger (Ton-Humus-Komplex), der für die Pflanzen sofort verfügbar ist. Sein Nährstoffanteil beträgt bis zum Vier- bis Siebenfachen einer normalen Gartenerde. In einem Hektar Ackerfläche können 80000 - 130000 Regenwürmer leben (neuerdings sollen es sogar 2 Mio. sein, wenn der Boden nach modernsten Methoden schonend behandelt wird), sie können je Jahr und Hektar 10 - 90 t Kot produzieren. In Weideböden können bis zu 5 Mio. Würmer ihr Auskommen finden und bis zu 80 t Wurmkot je Hektar produzieren. In Waldböden übersteigt die Masse der Regenwürmer das Gewicht der Säugetiere, die in demselben Waldstück leben können. Auf Grund seiner ringförmigen Muskelsegmente kann der Regenwurm das 60-fache seines Eigengewichtes stemmen. Regenwurmkot hat den pH-Wert 7. Er lockert den Boden und durchlüftet ihn. Die Pflanzen können besser ihre Wurzeln ausbreiten. Unbearbeitete Böden sind regenwurmreicher als bearbeitete, z.B. gepflügte. Ihre Gänge, die bis zu 8 m tief sein können, tragen erheblich dazu bei, dass die Erde locker gehalten wird. Sie führen oft zu mineralischen Schichten und erleichtern Wurzeln und Regen die Ausbreitung in die Tiefe.

Die Regenwürmer kleiden einen Teil ihrer Wohnröhren mit ihren Exkrementen aus und befestigen sie durch ihre CO2-Exkremente*, so dass das Regenwasser in tiefere Regionen durchsickern kann und nicht Pfützen auf der Oberfläche bildet. Die Feldpflanzen können dann entlang der Röhren ihre Wurzeln bilden und das gespeicherte Wasser nutzen. In einem Kubikmeter Erde wurden 600 m lange Gänge vorgefunden. Oft ziehen sie Blätter in die Erde und verdauen sie, dabei werden Krankheitserreger durch Enzyme abgetötet, z.B. Schorf in Obstanlagen. Besonders aktiv sind sie im Frühjahr und Herbst. Eine Bodenabdeckung (Mulchen) im Herbst mit organischem Material ist daher besonders vorteilhaft. Auf Kulturland können bis zu 400 kg Regenwürmer je Hektar ihr Auskommen finden. Im biologisch bearbeiteten Land leben 400 Regenwürmer je Quadratmeter, sie produzieren täglich bis zu einem Kilogramm Würmerkot. Sie lieben keinen sauren Boden, keinen Mineraldünger, keine Pestizide und Kupferverbindungen**, aber organisches Material, Bodenspritzung mit Baldrian, Kaffeesatz*, Porree- und Zwiebelreste, Obst- und Weintrester, Schafgarbe, feuchte Wellpappe. Auch fressen sie gern Kümmel und Kresse. Ihr Kot enthält siebenmal soviel Stickstoff, dreimal soviel Kali, sechsmal so viel Magnesium und doppelt soviel Kalk wie die normale Erde.

* Untersuchung über CO2, der ökologische Anbau von CO2 wird dadurch erheblich reduziert.
**Wegen seines evt. hohen Kupfer- und Zinkanteils nur in geringem Masse anwenden.

Regenwürmer sind sehr proteinreich und deshalb Nahrungsquelle für Amphibien, Dachse, Füchse, Igel, Laufkäfer, Maulwürfe, Spitzmäuse, Tausendfüßer und Vögel (Amseln, Stare!). Maulwürfe lähmen Regenwürmer mit einem Biss in das Vorderteil und legen sich mit diesen bewegungslosen Tieren einen Wintervorrat von etwa 1000 Tieren an; das entspricht etwa einem Gewicht von 2 kg. Pestizide und Schwermetalle (Cadmium) reichern sich in den Würmern an und gelangen dann in die Nahrungskette (z.B. Carbofuran, das zu Vergiftungen führt bei Mäusebussard, Rot- und Schwarzmilan).

Hier sind zwei Möglichkeiten zur Regenwurmzucht:

  1. Eine Holzkiste füllen mit einer Lage Stroh oder Laub. Darüber wechselnde Schichten aus Stallmist oder Küchenabfällen, Kompost und organischen Abfällen. Ab und zu etwas Steinmehl dazugeben und mit warmem Regenwasser überbrausen. Zum Schluss den Kasten mit einer Folie abdecken und in den Keller stellen, vor Kälte und Wärme schützen. Ggf. mit Würmern "impfen", falls im Kompost keine vorhanden sind. Nach ungefähr einem halben Jahr die gelben oder braunen Wurmeier auf das Land tragen und mit einer Mulchschicht oder Kompost schützen. Die älteren Regenwürmer lassen sich nur ungern verpflanzen. Die Tennessy Whiggler vermehren sich schneller als unsere einheimischen Arten.
  2. Wer das richtige Gespür hat, baut sich einen Wanderkasten, der in der Mitte geteilt wird und auch einige Zentimeter in die Tiefe geht. Die Mitte wird geteilt aus Backsteinen mit vielen Löchern, die Löcher werden mit einem Brett zugemacht. Vorn läßt man eine Öffnung frei, man kann hier die fertige Erde entnehmen. Über die Kästen werden zwei Deckel gebaut, damit die Würmer im Dunkeln leben und arbeiten. In den ersten Kasten werden zerkleinerte und etwas angerottete Gartenabfälle geschüttet, meistens mit etwas Gesteinsmehl verbunden, so daß die Würmer von Anfang an was zu tun haben. Zusätzlich kann man auch etwas Teeblätter oder auch Kaffeesatz mit hineingeben. Ist dieser Kasten voll, dann öffnet man den zweiten Kasten, wiederum mit angerottetem Gartenabfall. Sobald alle Würmer in den zweiten Kasten umgesiedelt sind, wird der Zugang wieder abgesperrt. Der erste Kasten ist nun für den fertigen Kompost bereit.

Regenwürmer in Töpfen vertreibt man durch ein Lösung von Kaliumpermanganat.

Alle paar Jahre sollte man den Gehalt an Dünger bestimmen: Agrofor Consulting @ Products Dipl.-Ing. agr. Oliver Wegener, Hauptstr. 27 A 35435 Wettenberg AGROFOR@T-Online.de. oder www.agrofor.de/kontakt.htm.

 

Jasper Rimpau von http://www.wurmwelten.de/shop/ ergänzt:

Um Würmer durch Kalkgaben zu vertreiben müsste man über Jahre hinweg so viel Kalk geben, das auch alle Pflanzen Schaden nehmen würden. Viel effektiver und umweltfreundlicher ist eine Lösung aus Senfwasser.

 

Weiteres über Regenwürmer: http://www.regenwurm.ch/de.html

 

Siehe auch den Einführungstext Nützliche Tiere, Bakterien, Pilze