Monsanto & Co für Einsteiger


Gastbeitrag von Mia Eckardt

 

Was haben Hobbygärtner in Deutschland mit dem skandalumwitterten Großkonzern zu tun?  Nichts, könnte man meinen. Und doch: Nach neuen EU-Richtlinien könnte er zukünftig unser Essen bestimmen, und schon jetzt steckt er heimlich in mancher unserer Samentüten.

Der Versuch einer Zusammenfassung

Andenken an Alma Pötschke
Andenken an Alma Pötschke

Dankbar denke ich zurück an die großen deutschen Staudenzüchter wie Karl Foerster, Ernst Pagel und Georg Arends, um nur einige zu nennen. Wieviele wunderbare neue Pflanzensorten haben sie uns doch für den Ziergarten geschenkt!

Früher war die Neuzucht von Pflanzen juristisch einfach: Ein Züchter durfte sich alte Sorten nehmen - auch jene, die ein anderer herausgezüchtet hatte - konnte sie kreuzen und vermehren, und sofern seine neue Züchtung andere Eigenschaften aufwies als das Elternteil, durfte er seiner neuen Pflanze einen eigenen Namen geben und sie für sich vermarkten. Im Bild zum Beispiel die Sorte "Andenken an Alma Pötschke", eine Raublattaster aus dem Hause Gärtner Pötschke.

So fand über lange Jahre - sogar über Jahrhunderte - ein innovativer Prozess statt. Die verschiedensten Züchter bemühten sich, alte Sorten und altes Saatgut immer weiter zu verbessern. Im Ziergarten ging es um Schönheit und Gesundheit, im landwirtschaftlichen Bereich um reichen Ertrag und Widerstandsfähigkeit.

Wie sehr heutzutage die Sache anders läuft, zeigt der Entwurf der neuen Saatgutverordnung der EU-Kommission vom 06. Mai 2013: Die Brüsseler, unter Federführung von Verbraucherkommisssar Toni Borg, wollen vorschreiben, daß zukünftig in allen EU-Ländern, nur die gleichen, von ihnen zugelassenen Samenarten angebaut werden dürfen. Alte - weil nach dem neuen Gesetzestext nicht zugelassene Sorten - wie leckere Kartoffelspezialitäten oder alte Apfelsorten, fielen dann unter den Tisch. Die Registrierung und Zulassung einer neuen (oder einer älteren, bisher ungeschützen) Sorte ist teuer. Sie kann bis zu 12.000 Euro kosten, eine Summe, die sich kein privater kleiner Züchter oder Biolandwirt leisten kann. Für große Konzerne, die inzwischen ohnehin einen satten Teil des Weltmarktes beherrschen, ist es jedoch ein Pappenstiel. Schließlich werden dann deren Samen EU-weit angebaut - ein lohnendes Geschäft!

Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich: Wie konnte es soweit kommen? Wie kann überhaupt die Idee entstehen, dass vom verregneten England bis zum sonnigen Zypern z.B. die gleichen Kartoffel angebaut werden sollen?

Zur Geschichte:

Schon seit den 50ziger Jahren des letzten Jahrhunderts arbeiteten Firmen an landwirtschaftlichen Hybridzüchtungen. Mit "besserem Weizen", "besserem Mais", etc., eroberten sie sich breite Käuferschichten. Obwohl es vielfach Hybridzüchtungen waren, die laut Mendelscher Gesetze in der zweiten, spätestens der dritten Generation wieder in eine unberechenbare Form zurückschlagen, nahm die abendländische Welt - nach dem zweiten Weltkrieg - die Entwicklung der neuen und reicher tragenden Hybriden dankbar an. Die dazugehörigen Herbizide, Pestizide, Fungizide, Insektizide betrachtete die Gesellschaft als selbstverständlich, sie galten als Verbesserung.

Ab Mitte der 70ziger kippte diese Sicht um. Giftstoffe wurden von der jüngeren Generation genau als das wahrgenommen, was sie waren: nämlich Gifte.

Anfang der neunziger, also vor etwa 30 Jahren, traten in puncto Saatgutvermehrung die Konzerne verstärkt auf den Plan. Seit den 70zigern hatten sie an gentechnisch veränderten Pflanzen geforscht, die brachten sie nun auf den Markt. Längst schon arbeiteten ihre wissenschaftlichen Abteilungen an Hybridzüchtungen reichtragender und widerstandfähiger Welt-Grundnahrungsmittel, wie Reis, Mais, Soja (aber auch Baumwolle, Raps und Weizen).

Das ist ja zunächst mal nicht schlecht. Einem kleinen Maisbauern irgendwo in den Anden, kann ja mit einer reicher tragenden Ähre sehr geholfen werden! Er hat mehr zu essen, er kann mehr verkaufen, kurz: allen Bewohnern seines Dorfes geht es besser! So wurden auch die ersten Versuche der Konzerne mit Hybriden weltweit gut aufgenommen, sowohl von den Politikern eines jeweiligen Landes, als auch von den Bauern selbst.

ABER, die großen Konzerne kamen zuvor ja aus einer ganz anderen Ecke! Einer ihrer Schwerpunkte lag auf der Herstellung von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) und Mitteln gegen schädliche Insekten (Pestizide/Insektizide). Und da erstere ihre Reis-, Mais- und Sojapflanzen mitschädigten, hatten sie nun die Idee entwickelt, Grundnahrungspflanzen zu züchten, die gegenüber ihren eigenen Unkrautvernichtungsmittel immun waren.

Was gibt es gedanklich - für einen herkömmlichen Landwirt - denn Besseres als das?

Der Landwirt bringt die Maissamen in den Acker, sprüht das Unkrautvernichtungsmittel darüber, alles an Beikräutern geht ein, aber sein Mais wächst SUPER! Das funktioniert hier in Deutschland auch gut. Nicht nur mit Mais, auch mit allen Getreidesorten, auch mit Raps, mit Winterkohl, mit allem, was die Fläche hergibt.

Wie oben bereits gesagt: zeitlich vor den Gentechnikpflanzen gerieten hochgradig ausgebrachte Herbizide und Pestizide weltweit in einen schlechten Ruf. Gerade in Entwicklungsländern häuften sich Chemieunfälle. Ich erinnere an die Giftkatastrophe von Bophal 1984, bei der in der Produktionsstätte des Schädlingsbekämpfungsmittels Sevin, so große Mengen an chemischen Substanzen freigesetzt wurden, dass Tausende von Anwohnern durch das Einatmen der Giftwolke sofort starben, und bis zu 500.000 Menschen langwierige und irreperable Schäden davontrugen.

Weiterhin: Einfache Menschen erkrankten und starben jämmerlich an richtig oder falsch ausgebrachten Herbiziden und Pestiziden, andere an den Folgewirkungen. In Deutschland, den Umrainerländer und in Amerika häuften sich die Neurodermitisfälle. Die Bevölkerung wurde gegenüber Schadstoffen langsam wach.

Ob dies dazu beitrug, dass in den Konzernen die Idee keimte, Saatgut gentechnisch zu verändern? Wie auch immer: Eine Pflanze, die von vorn herein die ihr schädlichen Insekten abwehrt, braucht kaum noch Pestizide/Insektizide! Dann muss nur noch etwas Unkrautvernichtungsmittel auf den Acker (Herbizid) - gegen welches sie immun ist! - und die Hälfte der gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Menschen hat man weg!

Das ist eigentlich keine schlechte Idee, wenn man von einem Weltbild ausgeht, in welchem alles Unerwünschte mit Hilfe von Technik und Manipulationen ausgemerzt werden kann. Aber wenn man sich einen normalen Mischwald anguckt, in seinem Reichtum an Flora und Fauna, und einem schier dabei das Herz aufgeht, weiß man, wieviel man verloren hat, wenn man auf den Maisacker nebenan schaut.

Eigenschaften von Gentech-Pflanzen (siehe Mitte der Zielseite).

 

Jetztzeit

Zunächst gab es noch relativ viele Firmen die sich mit Pflanzenzucht allgemein, mit Hybridzucht und gentechnisch veränderten Pflanzen befassten. Im Laufe der letzten Jahre fand jedoch - durch Aufkäufe und Übernahmen - eine starke Konzentration statt. Die Konzerne Monsanto, Bayer, DuPont und Syngenta kontrollieren heute, 2013, den gesamten internationalen Markt für Saatgut. Hinzukommen DOW Chemicals  und BASF.

Bayer wurde 1863 als Chemieunternehmen gegründet, Monsanto als Chemiefirma 1901, DuPont begann 1802 als Unternehmen für Sprengstoffe, nur Syngeta entstand 2000 aus einer Fusion älterer Unternehmen, handelt aber, wie die älteren Konzerne auch, mit gentechnisch veränderten Pflanzen, mit Herbiziden und Pestiziden.

Zunächst wurde auch das Konzept der genveränderten Pflanzen weltweit sehr gut aufgenommen. In den USA und Kanada wachsen riesige Felder davon, auch in Südafrika, im asiatischen Raum, in Indien. Aber, während die meisten Politiker vieler Länder sich freuten, einen solchen Konzern in ihre Gewerbeeinnahmen etablieren zu können, hatten die kleinen Bauern eines Landes das Nachsehen.

Ich schreibe jetzt nur am Beispiel von Monsanto, möglicherweise arbeiten andere Konzerne anders, sicherstellen kann ich das nicht. Monsanto machtes so, dass seine gentechnisch veränderten Pflanzen rechtlich geschützt sind. Der Landwirt, der diese Samen kauft, muss sich verpflichten, in eine Art Lizenzvertrag einzuwilligen, dass er nur diese Samen verwendet und sie auch keineswegs selbst vermehrt. Ist klar: diese Samen sind Hybridzüchtungen, und laut Mendelscher Gesetze, käme bei der zweiten oder dritten Aussaat bei Vermehrung aus eigenen Samen etwas unberechenbar anderes dabei heraus. Die wären dann auch nicht mehr gegen die Herbizide/Pestizide resistent, die der Konzern mit einkaufen lässt.

Nur, die kleinen Bauern der zweiten oder dritten Welt, machen es seit Jahrhunderten so, dass sie ihr eigenes Saatgut vermehren. Zudem sind die Hybriden auch durchaus noch in der zweiten und dritten Generation oft tauglicher, als manch altes Saatgut. Monsanto verfolgt die ganz Kleinen nicht. Der Konzern hat hier eine andere Strategie: Da sich die Pollen seiner gentechnisch veränderten Pflanzen durchaus verbreiten, sich in Baumwoll- oder Rapsplantagen niederschlagen, von denen eigenes Saatgut genommen wird, klagt der Konzern nun größere Farmer an, seine hochgezüchteten Pflanzen illegal anzubauen. Die so Überraschten ahnen nichts Böses, bis ihnen Monsanto eine chemische Analyse ihrer Pflanzen präsentiert und Lizenzzahlungen einfordert.

Ich will keine Aufzählung von Monsantos Übergriffen erstellen, dazu gibt es Artikel und Dokumente genug, siehe unten: Linkliste A.
Zu den Eigenschaften dieses Konzerns - und der anderen auch - gehört allerdings das Aufkaufen kleinerer Firmen, nur so konnten sie sich ihre Weltstellung sichern. Siehe unten: Linkliste B.

Wie weit der Arm der Konzerne reicht, zeigt letztlich der Entwurf der neuen Saatgutverordnung der EU-Kommission vom 06. Mai 2013. Von Grossbritannien bis Zypern sollen wir die gleichen Kartoffeln anbauen und essen? Ein europäischer Einheitsbrei auf unseren Tellern? Man kann eigentlich nur vermuten, dass die Durchsetzung dieser Interessen mit reichlich Geld gefüttert wurde.

 

Aktuelles

Wie kommt Monsanto nun in unsere Gärten? Keiner will hier in Deutschland das Zeug bewusst kaufen --- und doch tun wir es! Genmanipulierte Samen sind es (höchst wahrscheinlich) nicht, die sind in Deutschland verboten. Wie hier klammheimlich Monsanto-Tomaten, Monsantopaprika, Monsantogurken in unseren vertrauten Töpfen großwerden, zeigt folgender Zusammenhang: Zu Monsanto gehören u.a. folgende Firmen, nämlich De Ruiters/Niederlande und Seminis.

www.monsanto.com/products/Pages/monsanto-product-brands.aspx
www.monsanto.com/products/Pages/deruiter-seeds.aspx (Anmerkung: Link veraltet)
https://www.deruiterseeds.com/de-de/uber-de-ruiter.html ... rechts im Bild steht der link zu Seminis.

Manche ihrer Samen werden gekauft von der renommierten Marke Kiepenkerl, der Firma Sperli, (als Marke auch von Bruno Nebelung und Volmary vertreten ), sowie der Firma Gärtner Pötschke. Diese Samen treten unter den alten Qualitätsnamen auf, nichts weist darauf hin, das sie tatsächlich von einem Großkonzern stammen. Das ist natürlich belastend für engagierte Hobbygärtner, niemand will diesen Riesen ja in die Hände spielen. Umso heftiger ist die Enttäuschung auch für ältere Biogärtner, weil die alten Firmen in alten Bio-Gartenbüchern aus den 70ziger Jahren ja namhaft empfohlen wurden!

Wenn der Verbraucher genau abwägen möchte, welche Samen von wem gezüchtet wurden, eigent sich hervorragend das Portal der EU-Pflanzenvariationen-Datenbank (Anmerkung: Link veraltet). Leider ist es auf englisch, aber man findet hier jede Pflanze der Letztzeit. So kann man auswählen, ob man Tomaten bei Kiepenkerl mit dem Ursprung De Ruiters/Monsanto kaufen möchte, oder doch lieber nicht.

Auszug aus dem Portal der EU Datenbank, hier Tomaten:

  • Agro F1 Anbietende Firmen: Pötschke, Sperli-Müller - Züchter: Nunhems BV (NL).  Einfügung: Nunhem BV ist eine Tochter von Bayer Crop Science, genauso wie übrigens inzwischen die Marke Hild-Samen!
  • Amati F1 Anbietende Firma: Pötschke - Züchter: Seminis Vegetable Seeds (BG), SVS Holland BV (NL), Seminis Vegetable Seeds, Inc. (PL) - Verbindung zu Monsanto
  • Belriccio F1 Anbietende Firmen: Kiepenkerl, TOM - Züchter: De Ruiter Seeds BV (NL) - Verbindung zu Monsanto

Und so weiter ... Wenn man sich da in Ruhe einliest, ergibt das ein reiches Bild.

 

Wie Ihr Euch gegen eine solche Täuschung auf den Samentüten wehren oder organisieren könnt, auch gegen die Vorhaben der EU-Kommission: Die Älteren wenden sich vermutlich gern an den BUND, das sind klare, alte Organisationen.

Die Jüngeren finden im Internet sicherlich auch noch andere, z.B.: avaaz.org. (Hinweis der Redaktion: avaaz wird z.Zt. von einigen Seiten wegen unzureichender Transparenz kritisiert - wir haben deswegen die Verlinkung in Absprache mit der Autorin bis zur Klärung temporär entfernt)

Altes, unverändertes, samenfestes Saatgut findet Ihr unter:

Zudem: Bei den Erhalterorganisationen wie dem VERN Brandenburg und Anhalonium (Frankreich)

Schaut in die Zukuft, hoffnungsvolle Gärtner!   Der Sommer 2013 kann nur noch besser werden. Wie lautet doch eine alte Bauernregel? "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauer Scheur' und Fass." - Wobei ich bei diesem starken Windaufkommen doch immer wieder an den Klimawandel denken muss. Aber wir werden sehen.

Wir werden jedenfalls nicht umgeregnet, noch fortgeweht, WIR gucken hin!

 

Mit besten Grüßen,

 

Mia Eckardt

(Mai 2013)

 

Links zu diesem Text:

Zu dem Entwurf der EU-Kommission vom 06. Mai.2013:
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/saatgutverordnung-der-eu-tiefschlag-fuer-hobbygaertner-1.1666512
Sehr guter Artikel zum gesamten Thema mit sehr guten links:
www.tinto.de/tipps/monsanto-als-ungebetener-gast-im-garten/

derhonigmannsagt.wordpress.com/tag/de-ruiter-seeds/ (Link veraltet)

www.hobby-garten-blog.de/blafasel/11323-samen-von-monsanto.php
blog.lopdron.de/2012/03/woher-kommt-mein-saatgut/

Linkliste A
Monsantos Machtstrategien:
https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/gentechnik/monsantos-machtstrategien-unternehmensaufkaeufe-ein-report
www.bund.net/themen_und_projekte/gentechnik/risiken/wirtschaft/baeuerliche_abhaengigkeit/
Monsanto allgemein:
http://www.konzern-kritik.de/monsanto.htm
http://www.taz.de/!77350/

Linkliste B
Aufkäufe von Monsanto und anderen Konzernen
deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/07/saatgut-drei-konzerne-bestimmen-den-markt-fuer-lebensmittel/
https://www.greenpeace-magazin.de/?id=2929
https://www.zivilcourage.ro/php/konzerne.php

 

Links zu Fa. Nebelung und Fa.Volmary , letztere Firma mit "Bioland" verbunden - und doch verbreiten sie Hybridzüchtungen von Monsanto!
www.bioland.de /presse/pressemitteilung/article/2058.html (Link veraltet)
https://profi.volmary.com/pflanzen-markenkonzept-volmaryr.html
https://www.nebelung.de/