Kübelpflanzen enterden und neu setzen


Dies ist ein Gastartikel, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Seite www.garten-wissen.com.

Jedem guten Gärtner werden Begriffe wie Fruchtfolge oder Mischkulturen ein Begriff sein. Viele Pflanzen sind sehr anspruchsvoll und können nicht über Jahre auf der gleichen Fläche ohne hohe Ernteeinbußen angebaut werden. Mehrjährige Kübelpflanzen sind natürlich daran gewöhnt, über mehrere Jahre im gleichen Boden zu stehen. Dennoch kann auch Kübelpflanzen die Erde irgendwann nicht mehr behagen.

Es wird vermutlich im Jahr 2014 oder 2015 gewesen sein, als die beiden Stabkirschen, die 2008 in den 90 Liter und am Boden gelochten Zementkübel gesetzt wurden, Probleme bekamen. Die Rinde riss, es bildeten sich an einigen Stellen ganze Harzklumpen sowie der Kirschbaum, der mehr Sonne erhielt, sogar im Sommer 2016 mit der oberen Hälfte einging. Im Gartenhandel wurde erklärt, dass die Erde doch nicht alt wird und man sie nicht tauschen muss. Dennoch wurde im Frühjahr 2017 eine alte Teichfolie auf dem Balkonboden ausgebreitet. Eine Gewebeplane, mit der z.B. auch Holzhaufen oder Autos abgedeckt werden können, ginge auch, diese wäre sogar besser.

Auf der Folie wurde der Zementkübel zur Seite gekippt, um die Kirschbäume nun heraus zu ziehen. Es war ein Würfel, der Boden sah wirklich zersetzt und verbraucht aus. So sieht zumindest keine Blumenerde aus. Mit einer kleinen Gartenschaufel wurde dieser Boden vorsichtig abgestochen und schließlich mit der stumpfen Seite vom Wurzelwerk ab gehämmert. Ein leichtes Rütteln hilft zudem beim Enterden. Feinwurzeln waren nicht mehr zu sehen, nur noch Wurzelstamm, der zum Teil sogar noch weg geschnitten wurde. Das kann im Frühjahr allerdings normal sein, da die Bäume auch unterirdisch noch austreiben müssen.

Nun wurden beide Kirschbäume mit frischer, sowie guter Blumenerde zurück in den Kübel gesetzt, angegossen und wuchsen weiter, als wäre nichts gewesen. Doch, es ist etwas gewesen: Der Boden wurde ausgetauscht und selbst der halbe Stabkirschbaum wächst, wohingegen der ganze Stabkirschbaum zwischen einem Pfund bis ein Kilo Kirschen trägt. Es ist inzwischen also Mitte 2017. Der halbe Kirschbaum treibt an einigen Stellen kräftig aus. Der ganze Kirschbaum fängt mit dem Austreiben erst an dem Punkt an, an dem die Kirschen schon reifen. Jetzt muss also für die im Vorjahr schon absterbenden Kirschbäume über einen intelligenten Rückschnitt nach gedacht werden. Wenn dieser gelingt, dann soll der halbe Kirschbaum einen oder zwei neue Haupttriebe erhalten. Dem Namen „Stabkirschbaum“ kann bereits entnommen werden, dass die Triebe immer gestutzt werden, damit dieser Baum als Stab mit stark zurück gestutzten Trieben wächst. Bei 90 Litern für zwei Kirschbäume müssen es eben Bäumchen bleiben.

Lerneffekt:

Auch wenn der gleiche Boden vielleicht für andere Pflanzen noch gut wäre, so ist er es in dieser Situation für die die Stabkirschen nicht mehr. Wenn es einer mehrjährigen Kübelpflanze nicht mehr gut geht, soll der Zeitpunkt abgepasst werden, an dem sie im Frühjahr austreibt. Nach einem vorsichtigen Enterden kann sie wieder in frische Blumenerde gesetzt werden.

Für Kübelpflanzen, die für Nahrungszwecke dienen, soll immer eine Blumenerde verwendet werden, die auch für den Gemüsegarten geeignet wäre. Weiterhin soll auf Torf oder einem Torfanteil in der Blumenerde verzichtet werden. Zugleich macht es Sinn, selbst für einjährige Kübelpflanzen eine hochwertige Blumenerde zu wählen. Für mehrjährige Kübelpflanzen wird das jedoch voraus gesetzt. Zugleich soll bedacht werde, dass diese Stabkirschen nur deswegen noch wachsen, da sie über Jahre immer rechtzeitig gegossen wurden. Bei heißem Sommerwetter ohne Regen muss schon fast jeden Tag gegossen werden. Zugleich wird in Intervallen gegossen. Das Wasser läuft durch trockenen Boden einfach durch. Es wird etwas gegossen, 10 Minuten gewartet, etwas gegossen, 10 Minuten geartet und so weiter, bis dann doch ganz wenig Wasser raus tropft.

Vergleich zu anderen Pflanzen

Nicht alle Kübelpflanzen ziehen viel Wasser. Aber die meisten wollen nicht trocken oder völlig nass stehen. Stabkirschen ziehen in jedem Fall viel Wasser, aber nicht so viel, wie der Baldrian oder die Katzenminze, die sich einen 90 Liter Zementkübel teilen und beide zwei Meter hoch geworden sind. Drei mal Katzenminze stehen vor drei mal Baldrian, der etwas schneller wächst und damit auch Sonne erhalten hat. Der Kübel steht etwas Quer zum Einfallwinkel der Sonne. Die Katzen wird es freuen, wenn jetzt noch die Katzenminze in Blüte geht und im Herbst vielleicht die Baldrian-Wurzeln riechen. Für den Menschen ärgerlich ist, dass auf dem Baldrian Blattläuse sind, die deswegen auch die Katzenminze stark befallen, die sonst einen schwächeren Befall ausprägen würde.

Eine Pflanze, die hingegen weniger Wasser zieht, ist der Jiaogulan. Stehen die Stabkirschen links und die Katzenminze samt Baldrian rechts, so stehen zwei 90 Liter Zementkübel mit gelochtem Boden mittig. Hier stehen jeweils zwei Rankgitter aus Bambusstäben und Tonkinklammern zwei Meter hoch hintereinander im quer stehenden Zementkübel.

Der Gärtner muss sein Gießverhalten auf die Pflanzen abpassen, womit dieser Jiaogulan seltener und weniger intensiv gewässert wird.