Herbstgrasmilben, Grasmilben [Neotrombicula autumnalis]



Botanischer Name: 
Neotrombicula autumnalis
Allgemeines: 

Neotrombicula autumnalis. Laufmilben (Trombiculidae).

Die Herbstgrasmilbe wird auch als Herbstmilbe, Erntemilbe, Heumilbe, Herbstlaus, Graslaus, Erdlaus oder als Pfirsichlaus beschrieben. Ihre Larven befallen vor allem Mäuse, Hunde, Hauskatzen, Menschen und andere Säugetiere. Die erwachsenen Tiere sind um die 2 mm lang, von orangeroter bis roter Farbe, mit starker Einschnürung nach den Schultern und vier Beinpaaren. Sie leben im Boden von Kleinstinsekten, sie kommen bei warmem Wetter an die Oberfläche, bei Frost, Dürre und Dauerregen dringen sie bis zu 90 cm in den Erdboden ein.

Die Larven der Grasmilben schlüpfen vier Wochen nach der Eiablage, sie sind 0,1 - 0,3 mm groß, orangerot oder blassgelb gefärbt, mit 3 Beinpaaren. Sie halten sich in den obersten Erdschichten oder auf Gräsern und Gartenpflanzen, Kräutern usw. auf. Sie sammeln sich an den Enden oder Spitzen der Pflanzenteile und bilden dort Klumpen. Vorzugsweise halten sie sich in 5 cm Höhe auf, auf gemulchten Beeten, Rasen oder der Terrasse. Sie bleiben dort unbeweglich, bis ein passender Wirt vorbeikommt. Sie wechseln blitzschnell zu ihm über. Auch auf dem Wirt klumpen sie sich wieder zusammen direkt auf der Haut, allerdings weniger beim Menschen. Sie sondern einen Verdauungssaft ab, der eine winzig kleine Röhre durch die Haut entstehen lässt. Mit einem Haken verankern sie sich fest. Nach genügender Nahrungsaufnahme (Zellsekret, kein Blut), die Angaben darüber lauten auf 4 - 8 Stunden oder sogar Tage - sind sie dann etwa doppelt so groß - lösen sie sich vom Wirt und machen im Boden ihr nächstes Entwicklungsstadium durch: Nach 5 - 6 Wochen werden sie zu Nymphen, dann zu einem erwachsenen Tier. Beide überwintern im Boden, beide leben räuberisch. Junglarven, die den Menschen befallen, können sich aber nicht weiterentwickeln. In der Wohnung können sie sich ebenfalls nicht weiterentwickeln, sie sterben ab.

Die Grasmilben sind mehr inselartig verbreitet, vor allem in folgenden Gegenden: Frankfurt/M., München, Reutlingen, Siebengebirge, Stuttgart, Würzburg und im Alpengebiet. Besonders gehäuft sind die Larven zu finden auf Weiden und Wiesen, in Gärten und Parks, an Waldrändern, und hier besonders an luftfeuchten, von der Sonne beschienenen Stellen, in Komposthaufen und unter Mulch. In Hessen waren oft die Bestände und Säume von höherem Altgras befallen.

Schadbild: 

Wirte der Larven sind Warmblütler aller Art, vor allem Ziegen, Kleinsäuger (Mäuse!) und Vögel, weiterhin Esel, Haushunde, Katzen, Maulwürfe, Weidevieh und der Mensch. Die größte Anzahl von Milben wurden auf Ziege und Rötelmaus gezählt. Für den Menschen sind nur die Larven lästig. Sie werden beim Durchgehen durch Gras oder bei der Ernte von höheren Pflanzen, beim Pflücken von Bohnen und Beeren, beim Schneiden von Phlox, vom Menschen abgestreift. Erhöhte Gefahr ist bei Äckern, Badeplätzen, Gärten, Kulturwiesen und an Waldrändern angezeigt. Sie verursachen winzige, nicht schmerzende Stichwunden beim Saugen von Zellflüssigkeit. Bevorzugte Stellen sind feuchtwarme Körperstellen mit enganliegender Kleidung, Zwischenzehenbereich, Leistenbeuge und Achselfalte. Nach 4 - 36 Stunden Stunden setzt ein ungemein starker Juckreiz mit Quaddelbildung ein, der meistens am 2 .- 3. Tag seinen Höhepunkt erreicht, wochenlang anhalten kann und sich bei Bettwärme verschlimmert. Die Quaddeln haben an ihrer Spitze eine kleine Blase, unter der sich die Larve aufhält. Bei Kratzen lassen sich die Larven sofort fallen. Manche Personen zeigen kaum Hauterscheinungen, sind wahrscheinlich desensibilisiert, andere Personen zeigen erst nach wiederholtem Befall Symptome. Die Hauptaktivitätszeit ist verschieden. In Gegenden mit starkem pflanzlichen Deckungsgrad (Hecken und Wäldern) sind sie im Frühjahr und Herbst, in Gegenden mit geringem Deckungsgrad (Acker, Weiden, Wiesen) sind sie im Sommer, meist an Nachmittagen von 14 - 18 Uhr, vor allem nach einem heißen und trockenen Sommer aktiv.

Frühestes Auftreten der Larven ab März, der Befall kann anhalten bis November, je nach Wetter und Unterart. In Europa werden aus heutiger Sicht von der Milbe keine Krankheiten übertragen, nur in Südosteuropa kann sie eine Virusencephalitis auslösen. Sie verursachen jedoch Hautkrankheiten, die als Trombidiose, Erntekrätze, Herbstbeiße, Stachelbeerkrankheit, usw. bekannt sind. Durch Aufkratzen können Infektionen entstehen. - Nicht ganz auszuschließen ist, dass sie von Eichhörnchen, Igeln und Mäusen, die von Borrelia burgdorferi befallen werden können, Borreliose übertragen. Asiatische Milbenarten derselben Familie (Trombicula akamushi) lösen das Tsutsugamushi-Fieber durch den Erreger Rickettsia orientalis aus.

Hunde: Hunde und auch Katzen können befallen werden. Die Larven siedeln sich insbesondere an den dünnen Hautstellen an. Beim Hund werden besonders die Pfoten mit dem Zwischenzehenbereich befallen, außerdem Bauch, Hals, Lefzen, Nasenrücken, Ohren, Schenkelinnenseiten, Schwanzwurzel, Hündinnen an ihren Schamlippen. Hunde mit Niem besprühen oder vorsorglich mit rohem Knoblauch füttern (etwa 1 mittl. Zehe täglich für einen großen Hund). Die Zeckenmittel sollten auch gegen die Larven schützen. NeemproDog als Badezusatz zur Pflege. NeemAzal-TS.

Vorbeugung: 

Vorbeugung: Da andere Maßnahmen nicht sehr zuverlässig sind in ihrer Wirkung, kommt der Vorbeugung besondere Bedeutung zu: Unsachgemäß angelegte Komposthaufen entfernen, die Milben siedeln sich gern in einem fauligen, feuchten Milieu an, ggf. auf Kompostieren verzichten. Moos entfernen. Oft Gras mähen und sehr kurz halten, Grasschnitt nicht liegen lassen, sondern vernichten, die Milben werden dann mit entfernt. Mulch entfernen. Mäuse und Ratten bekämpfen. Unkraut, dichte Vegetation und Gebüsch entfernen, feuchte Stellen bekämpfen. Wiesen und Weiden, auf denen sich viele Nutz- und Haustiere befinden, meiden. Einen Abstand zwischen Rasen - Haus von mindestens 2 - 3 Meter einhalten. Nicht in den wärmsten Mittagsstunden arbeiten und gefährdete Gebiete nicht bei Temperaturen über 16° betreten, vor allem sich nicht setzen oder hinlegen in der Mittagszeit auf den sonnigsten Platz. Lange, dichtgewebte Hosen und Gummistiefel tragen oder Hosenbeine mit Gummibändern oder Klebeband zuschnüren. An Unterschenkel und Schuhen nichts tragen, was die Milben einladen könnte, dort Unterschlupf zu finden. Nach Gartenbesuch sofort die Kleider wechseln, wiederholt sich einseifen und mit heißem Wasser duschen. Die Kleider heiß waschen, etwa eine halbe Stunde im heißen Wasser belassen. Rasen frühmorgens mähen.

Repellents: Arme und Beine mit stark riechenden Kräutern einreiben, z.B. mit Knoblauch-Alkohol-Auszug oder Antimückenspray. Einige Tropfen eines dimethyhaltigen Repellents in den Händen verreiben und dann die freien Körperstellen sowie die Kleidungsöffnungen sanft bestreichen. Auch Permethrin wehrt ab. Die Repellents gegen Zecken sollten auch bei Grasmilben helfen. Permanent Mücktan Natur (Neudorff) schützt nach Herstellerangaben 6 - 12 Stunden. - Siehe dazu das Testergebnis Stiftung Warentest. Die kompletten Informationen sind zu finden im Heft 4/2001 oder unter http://www.stiftung-warentest.de, Test aus Gesundheit und Kosmetik.

Bekämpfung: 

Abwehr: Nachweis durch ein weißes Leinentuch 50 x 50 cm, das langsam über das Gras gezogen wird, am besten zur Zeit der höchsten Aktivität, z.B. an einem warmen Nachmittag. Die roten Larven halten sich fest am Tuch und sind dann trotz ihrer Kleinheit deutlich zu erkennen. Nach dem Pflanzenschutzgesetz vom 1.7.01 sind keine Bekämpfungsmittel (Akarizide) zugelassen. Die Milben und ihre Eier sind sehr widerstandsfähig. Brantweinessig-Spritzkur auf das weiße Leinentuch. Spritzkur mit Aromaöl-Wasser. Dazu rein ätherisches Öl (kein Parfüm) wie Teebaumöl, Lavendelöl oder Pfefferminzöl mit etwas Salatöl mischen und mit dem Wasser gründlich verschütteln. Niemöl soll auch helfen, es enthält einen Stoff, der die Häutung an Insekten behindert.

An einem trockenem, warmen Tag eine schwarze Pappe o.ä., etwa 1 qm groß, auslegen in der Nähe von vermuteten Ansammlungen im Gras (Milben leben in Gesellschaft) und etwaige Reaktionen beobachten. Ist die Pappe an der richtigen Stelle ausgelegt, kriechen schon nach wenigen Minuten winzige, meiste rote Larven auf die Pappe und sammeln sich in der Mitte. Dort können sie mit Ölemulsionen bekämpft werden.

Schädlingsfrei Naturen über Gras, Stauden und Büsche spritzen. Durch die Ölumhüllung werden die Tiere abgetötet. Niemauszug spritzen, wiederholen im Abstand von 14 Tagen, die Milben wandern aber wieder zu. Bis zu 1 m hoch auf Bäume, Büsche und Gras spritzen, einmal wiederholen. Neem Azal T/S während der Befallzeit jeden Abend spritzen. Vitamin B-Komplextabletten.

 

Behandlung des Juckreizes: Wattebausch mit 70 %igem Alkohol oder Isopropanol tränken und Stichstellen abreiben. Danach juckreizstillende Salben auftragen. Jacutin. - Bei Kleinkindern Zuckerwürfel anfeuchten und auflegen. - Kalte Umschläge, Salzwasserabreibungen, kochsalzhaltige Zahncreme, Teebaumöleinreibung, Zinkschüttelmixturen, Essig oder Zitronensaft, Fingernägelpolitur. Meristemcreme (Reformhaus), Salben Fenistil, Traumeel; Soventol-Gel. Chinaöl. Die Larven lassen sich vorzeitig abfallen durch heiße Seifenabwaschungen, Perubalsam, Schwefelsalbe, Jodtinktur. Von der 'Hobbythek' werden angegeben "Lotio alba aquosa" (= Zinkoxid-Schüttel-Mixtur), Wasser-Alkohollösung mit Salicyl-Säure-Anteil, Wasser-Alkohollösung mit Mentholanteil. (Beide Produkte gibt es in der Apotheke). Kokosöl mit hohem Lauringehalt (50%) kombiniert mit Viticks-Cool Plus Spray. - Wenn es ganz schlimm ist, hilft auch Cortison oder Ledum D 4, viertelstündlich 5 Tropfen auf Wasser einnehmen, bis der Juckreiz verschwindet.

Nachbemerkung: Viele Merkmale, die auf Milbenbefall hinweisen, können im Frühjahr auch durch Flöhe, z.B. Vogelflöhe Ceratophyllus gallinae, verursacht werden, die durch Haustiere und Igel, auch Vögel, verbreitet wurden. Sie bleiben aber am Ort des Befalls und wandern nicht weiter. Aber auch andere Milben wie die Pelzmilben oder die Roten Vogelmilben usw. verursachen starken Juckreiz. Die rote Vogelmilbe ist leicht zu erkennen an ihren roten Pünktchen. Sie sind 0,7 mm lang und 0,4 mm breit. Auch Hühner werden oft befallen. Befallene Tiere sind unruhig in der Nacht und schlafen am Tag, weil die Milben nur in der Nacht saugen und sich tagsüber in Spalten und Ritzen aufhalten. Die nordische Vogelmilbe ist dagegen tagaktiv und zieht sich in der Nacht zurück in Ritzen. Zu erkennen an dunklen Pünktchen. Räudemilben fressen Gänge in der oberen Haut, sind aber auch im Federfollikel zu finden, sie sind kleiner als 1/2 mm. Befallene Vögel empfinden starken Juckreiz, sie reißen sich Federn aus und fügen sich Schnabelwunden zu. Die bevorzugten Befallsstellen sind Füße, Schnabel und Ständer. Bei der Bekämpfung müssen Bauer und Käfig immer mit behandelt werden. In der Apotheke gibt es ein Milbenspray.

Siehe auch:
Deutscher Retriever Club
Hausmittel gegen den Juckreiz