Apfelbäume [Malus domestica] - Anbau

Apfelbäume - Lage

Luftig-sonnige Lage mit hoher Luftfeuchtigkeit. Malus domestica BlüteMalus domestica Blüte
Bild von: Botanikus-CD

Auf frühen Lagen drohen Ernteverluste durch Spätfröste, die Blüten erfrieren schon bei -1/2°.

Apfelbäume - Boden

Humushaltige Lehmböden pH 5.5 - 6.5, durchlässig, tiefgründig, kalkhaltig, feucht, nährstoffreich, aber keine Staunässe, keine kalten, nassen Tonböden, die Krebs hervorrufen können. Sandiger Boden ist weniger geeignet, dann muss für ausreichende Feuchtigkeit gesorgt werden. März bis April Mulchschicht entfernen. November bis Januar: Bäume auf Fruchtmumien kontrollieren. Februar: Leimringe entfernen. Stamm mit Kalkanstrich versehen.

Apfelbäume - Aufzucht

Bei der Auswahl auf Blütenfrostempfindlichkeit, auf Befruchtersorten (siehe Spezialartikel Apfelbäume - Bestäubung) und auf die richtige Unterlage achten (siehe "Obstunterlagen"). Gem. Lehr- und Versuchsanstalt Ahrweiler haben folgende Sorten nach strengen Nachtfrösten überlebensfähige Blüten: Gala 74%, Cox 70%, Elise, Margold und Rubinette 50%, dann folgen die anderen Sorten mit etwa 30%, am Schluß steht Pilot mit 6%. Die Blütenfrostbeständigkeit ist unter Einwirkung von Baldrianspritzungen weitaus besser.

Flachwurzler. Er benötigt Winterkälte, um Früchte zu bilden. Heiße Standorte oder solche vor Südmauern sind ungeeignet. Mulchschicht im Sommer und Winter ist günstig, aber nicht zu dick aufschichten wegen Wühlmausgefahr. Man sollte auch die Mulchschicht ab März/April entfernen und ab Juni wieder mulchen. Spindeln sind gut geeignet für kleine Bäume, bei einer Wuchshöhe von zwei Metern kann man ohne Leiter ernten. Beste Pflanzzeit ist im Herbst. Einen halben Tag das Wurzelwerk wässern. Zwei Spatenstiche werden umgegraben. In den Unterboden gibt man je nach Bodenqualität 50 - 150 g phosphatreichen Dünger pro qm ein. Den Oberboden vermengt man mit Kompost, gut abgelagertem Stallmist oder Hornmehl. Mindestens 10 l Wasser gehören außerdem dazu. Die Baumscheibe wird mit Mulch oder Kompost abgedeckt. Nur um den Stamm herum lässt man einen Streifen unbedeckt. Zuletzt bindet man den Baum an einem Stamm an. Im zeitigen Frühjahr, etwa Ende Februar/Anfang März, gibt man etwas Horn-Knochen-Dünger. Etwa 3 Handvoll pro qm werden auf die Fläche unter der Kronen verteilt und flach eingearbeitet. Einen anderen Pollenspender suchen.

Pfahl vor der Pflanzung einschlagen, immer im Süden. So tief pflanzen, wie der junge Baum in der Baumschule gestanden hat. Die Veredelungsstelle darf nicht unter die Erdoberfläche kommen. Bei Wühlmausgefahr Wurzeln umhüllen mit verzinktem Maschendraht. Die früher übliche Hochpflanzung wird wegen der Gefahr von Feuerbrand für die Unterlage nicht mehr empfohlen. Den Boden evt. mit Sand auflockern, genügend angießen. Untere Zweige herabbinden, das erhöht die Fruchtbarkeit. Gewässernähe ist günstig, Äpfel benötigen mehr Luftfeuchtigkeit als andere Obstarten, jedoch keine Staunässe dulden. Bei Trockenheit mit folgendem Regen drohen Fruchtrisse. Im ersten Standjahr nicht düngen, damit sich die Wurzeln schnell ausbreiten. Nachbarrecht (Grenzabstand) vor der Pflanzung beachten.

Jährlicher Schnitt. Junge Apfelbäume bis zum 5. Standjahr erst gegen Ende Februar schneiden, sonst droht starke Schädigung oder Totalausfall bei darauffolgendem Frost. Baumanstrich im Herbst. Ende Februar/Anfang März spritzen mit Gemisch von Rainfarntee und Schachtelhalmbrühe verdünnt gegen Pilz- oder Insektenbefall. Nachblütenspritzung mit Bio S oder Schachtelhalmtee.

Auf Baumscheiben älterer eingewachsener Bäume pflanzen: Beifuß, Bohnenkraut, Brennessel (hält Läuse fern), Elfenblume, Fenchel (Foeniculum), Fetthenne (Sedum), Fleißige Lieschen, Gamander (Teucrium), Glockenblume, Goldlack, Gundelrebe, Kapuzinerkresse (hält Läuse und Wühlmäuse fern), Kerbel, Knoblauch (Schorf), Kohlrabi, Majoran, Meerrettich, Melisse (verbessert Geschmack), Narzissen, Oregano, Osterglocken, Petersilie, Pfefferminz Mentha x piperita Mitcham (verbessert Geschmack)*, Ringelblume, Roter Fingerhut (fördert Ertrag und Gesundheit), Salbei, Schnittlauch (stärkt Gesundheit, verhindert nach Einwachsen Schorf), Senf, Spinat, Sterndolde (Astrantia), Tagetes (wirkt gesundend), Thymian, Tulpen, Witwenblume (Scabiosa), Ysop, Zitronenmelisse (Verbessert das Aroma). Ungünstig sind Tiefwurzler, Knollenpflanzen (Kartoffeln) und Pflanzen mit hohem Lichtbedarf. Er produziert den chemischen Botenstoff Phlorizin und gibt ihn über seine Wurzeln an den Boden ab. Im Erdreich wird er umgeformt zu höchst wirksamen Stoffen: Phenolischen Säuren, Phloretin und Phloroglucin. Diese Wirkstoffe verhindern, dass seine Samen im Umkreis auskeimen. *www.ruehlemanns.de. Es gilt für alle Bäume.

Nicht mit Hacke und Spaten bearbeiten, vor allem nicht bei schwachen Unterlagen. Oder mit Mulchdecke aus Rasenschnitt, Rohkompost, Stroh abdecken. Brennessel- und Beinwellbrühe auf die Baumscheibe gießen, vermischt mit einigen Holunderblättern (Im Frühjahr und nach Ernte). Baumscheibe auf Rasen in den ersten Jahren offen halten und mulchen oder im Winter mit Stalldung bedecken. Kernobst benötigt ausreichend Kali und Bor, sie werden gebraucht für die Befruchtung und zur Ausreifung der Früchte. 10 - 20 kg Steinmehl, 3 kg Algomin, Kompost. 25 g Kalk je qm und Jahr wird benötigt. Schwachwüchsige Sorten stärker düngen, sonst vergreisen sie.

Nach Junifall Früchte ggf. ausdünnen, wenn der Fruchtbehang zu groß ist (Walnussgröße). Dadurch wird starker Ertagsabfall im nächsten Jahr vermieden. Vorher schütteln. Wenn nicht genug Früchte fallen, alle ausscheiden, die nur 50% des Gewichtes ausmachen.

Kurzstielige Sorten wie Boskoop, Cox Orange, Melrose, Oldenburg, Ontario behalten höchstens 2 Früchte je Büschel, langstielige Sorten wie Elstar, Golden Delicious, Gloster, Jonagold, Jonathan können drei behalten. Man beachte, dass zur Ernährung eines Apfels 30 - 40 Blätter nötig sind. Bei stark wachsenden Apfelbäumen (mehr als 50% je Jahr) sollten ebenfalls alle Schnittmaßnahmen in den Sommer verlegt werden. Geeignet sind sie Ende Juli/Anfang August. Die Hochstämme sind im allgemeinen bei den Obstbäumen resistenter gegenüber Krankheiten als die Niederstämme. Die Sorte Retina soll vollkommen gesund sein. Die Sorte Piflora, ein Frühwinterapfel mit großen süß-säuerlichen Früchten, gilt als wenig empfindlich für Krankheiten und Schädlinge. Die Baumfrüchte Delbarestivale, Goldparmäne, Gravensteiner und roter Boskoop sind meistens im Ertrag geschwächt. Einmal biegen sich die Bäume vor der schweren Last, ein andermal gibt es kaum welche. Man sollte diese vier Bäume schon mit Auslichtungsschnitt im Sommer behandeln und gleichzeitig im Boden Buchweizen, Phacelia, Senf und niedrige Sonnenblumen aussäen.

Bei großen Temperaturunterschieden im Herbst zwischen Tag und Nacht verfärben sich die Früchte besonders kräftig.Malus domesticaMalus domestica
Bild von: Botanikus-CD

 

Boskoop solte man maßvoll schneiden, damit er auch genügend Frucht bringt. Das Ablenken steiler Triebe auf waagrechte Seitentriebe erreicht einen Ausgleich. Die Triebspitzen der waagerechten Seitentriebe bleiben unbehandelt. Beim Boskoop ist das Herunterbinden der Seitentriebe zu bremsen. Der Jonathan muss dagegen durch scharfen Schnitt zu kräftiger Neubildung angeregt werden, damit er nicht zu schnell vergreist. Golden Delicious treiben die Seitenäste spitzwinklig nach oben durch. Deshalb sollte man einen geraden Mitteltrieb und gleichmäßig angeordnete Seitentriebetagen heranziehen und dichte Kronen schon früh auslichten. Der Winterglockenapfel neigt an inneren Zweigpartien zum Verkahlen und muss deshalb kräftig zurückgeschnitten werden. Das lange Fruchtholz sollte jedoch nicht eingekürzt werden, zumal häufig nur die Endknospen fruchten. Cox Orangen Renette treibt stumpfwinklige Seitentriebe, die nicht abgespreizt werden müssen. Die Seitentriebetagen dürfen nicht zu eng angeordnet werden. Gloster 69 treiben steile Äste, die unten verkahlen. Man schneidet Steiltriebe weg oder bindet sie nach unten.

Spätestens im Juli die Bodentriebe entfernen, um dort die Eiablage der Grünen Apfelwanze und der Blattlaus sowie Mehltaubefall zu verhindern. Schwach wachsende Bäume können mit einem Vorspann zu verstärktem Wachstum angetrieben werden, siehe Obstbaumunterlagen.

 

Höhere Lagen

Für Weinbaulagen sind folgende Sorten gut geeignet: Granny Smith, Idared, James Grieve, Red Delicious, Weißer Wintercalvill. Es handelt sich um Äpfel, die längere Reifezeit beanspruchen oder aus Ländern stammen, die ausgeglicheneres Klima haben. Der Weiße Wintercalvill ist wohl die 'Rose' unter den Apfelsorten. Er erreicht sein einmaliges Aroma nur, wenn er ganz pfleglich behandelt und nicht gespritzt wird. In früheren Zeiten wurde er wie Apfelsinen in Seidenpapier eingewickelt und sogar von österreichischen Anbaustellen an den englischen Hof geliefert.

Über 600 m nur noch ganz widerstandsfähige Sorten anpflanzen wie Berner Rosenapfel, Bohnapfel, Champagner Renette, Geheimrat Oldenburg, Grahams Jubiläumsapfel, evt. noch Croncels, gelber Edelapfel, Holsteiner Cox, Ingrid Marie, Jakob Fischer, Jakob Lebel, Kaiser Wilhelm, Landsberger Renette, Mantet, Nordhäuser, Prinz Albrecht, Weißer Klarapfel, Wiltshire); nicht geeignet sind Alkmene, Berlepsch, Cox Orange, Goldparmäne, James Grieve und Ontario. Für schwere Lehm- und Tonböden sind nur geeignet: Bohnapfel, Champagner Renette, Große Herbstrenette, Kaiser Wilhelm, Maunzenapfel, Wiltshire, Winterrambour. - Der Grenzwert für Kälte liegt bei -25°. Er sollte bei unseren Temperaturen nicht überschritten werden.

 

Säulenäpfel

Die Säulenäpfel tragen direkt am Stamm. Sie wachsen straff nach oben und benötigen keinen Stützpfahl und kaum Schnitt. Sollte doch einmal ein Seitentrieb erscheinen, wird er je nach Bedarf auf 2 - 3 Augen zurückgeschnitten oder vollkommen entfernt. Konkurrenztriebe an der Spitze bis auf den kräftigsten abschneiden. Pflanzabstand mindestens 70 cm. Man muss beim Kauf auf die richtige Bestäubersorte achten, Abstand zum Bestäuberbaum höchstens 25 m. Auch Zieräpfel können dafür in Frage kommen. Ist kein weiterer Zuwachs erwünscht, wird über der letzten Knospe zurückgeschnitten. Bei Kübelpflanzung (mindestens 50 x 50 cm ) sollte die Erdmischung wie folgt beschaffen sein: 3 Teile Rindenhumus oder Kompost, 2 Teile Gartenerde oder Lehm, 1 Teil gewaschener Sand. Im übrigen gelten dieselben Grundsätze wie bei Apfelbäumen (Krankheiten, Befruchtung, Düngung). Die neuen Sorten Ginover (Pompink) und Lancelot (Pomforyou, Geisenheim) sollen aromatisch und resistent sein. Der Topf sollte um 30 l groß sein. Der Boden sollte mit Blähtonkugeln ausgestattet werden. Langzeitdünger für Beerensträucher unter die Pflanzerde mischen.

Ballerina-Säulenäpfel sind auf M 105 veredelt. Sie sind wenig anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Die Bäume wachsen in den ersten 5 Jahren bis etwa 200 - 250 cm hoch, die Endhöhe ist 400 cm. Längere Seitentriebe werden auf 3 Augen zurückgeschnitten. Sie befruchten sich zum Teil selbst und auch untereinander.

 

Bestäubung

siehe Tabelle hier: Apfelbäume - Bestäubung.

 

 

Apfelbäume - Ernte

 

Kernobst ist am Vormittag druckempfindlich, deshalb am besten nachmittags ernten, die Früchte sollten immer trocken sein, damit sich nicht Pilzbefall einstellt. Nach Ernte einen Tag abschwitzen lassen, erst dann in die Regale legen. Diese müssen vorher mit heißem Sodawasser desinfiziert werden. Mehrere Lagen Zeitungen ausbreiten, noch besser sind Farnwedel als Unterlage, darauf Seidenpapier legen, die Fäulnisneigung wird dadurch verringert und Mäuse werden abgehalten. Auch Brennesselblätter als Unterlage sind bewährt, sie halten die Äpfel frisch. Holunderblüten über die Äpfel gebreitet sollen konservierend wirken. Lagerung bei 1 - 6°. Boskoop, Cox Orange, Goldparmäne, Jonathan, Ontario nicht unter 3 - 4° lagern, sie neigen dann zur Kältefleischbräune. Einige Sorten vertragen auch -2/3°. Abgefallene Äpfel usw. immer sofort entsorgen, die Schädlinge haben dann weniger Vermehrungschancen. Bei abnehmendem Mond geerntetes Obst soll länger lagerfähig sein.

Frühsorten werden bei Genussreife geerntet, Lagersorten, wenn sich der Fruchtstiel beim Anheben der Frucht leicht vom Zweig lösen lässt. Die Bäume haben dann schon Korkzellen an der Sollbruchstelle gebildet, die an einer leichten Einschnürung zu erkennen ist.

Zu späte Ernte vermindert die Lagerfähigkeit. Die Pflückreife ist allgemein dann vorhanden, wenn die Äpfel gelblich-grün, noch nicht leuchtend rot sind. Die Kerne sollten mittelbraun sein. Bei den späten Lagersorten bedeuten braune Kerne lediglich Pflück-, aber nicht Genussreife. Frühe Sorten sind dagegen bei hellen Kernen genussreif.

Die Herbstäpfel werden erst geerntet, wenn sie ihre typische Farbe angenommen haben. Die späten Sorten wie Berlepsch und Ontario werden kurz vor ihrer Baumreife geerntet, meistens Mi 10, sie halten sich dann besser im Lager.

Äpfel strömen Ethylen aus, deshalb sollte man sie nicht mit Beerenobst, Zitrusfrüchten, Kohl und Gurken zusammenlegen.

Die alten Sorten haben einen hohen Anteil an Polyphenolen, deswegen haben sie kaum ein Risiko wegen einer Allergiegefahr. Auf der anderen Seite haben die Supermarktäpfel nicht viele Polyphenole, sie sind nicht gezüchtet auf die Inaktivierung des Apfelallergens, sie werden nicht mehr braun beim Anschneiden. Braeburn und Jonagold.

 

Ernte-Kalender:

Siehe Apfelernte - Kalender

 

 

Weiter: Apfelbäume - Fruchtfolge