Kampf den Wurzelunkräutern

Bodenbearbeitung, Kompostierung, Düngung

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Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Carolyn » Fr Apr 12, 2019 12:38

Wie einige hier wissen habe ich u.a. einen Bauerngarten geerbt, zu dessen Pflege/Nutzung mir aber die Zeit fehlt. Entsprechend ist seit einigen Jahren die ehemalige Fläche für Gemüse, Erdbeeren und ein- bis zweijährige Blumen völlig verwahrlost (wobei die Beerensträucher auch mehr Pflege vertragen könnten *seufz*) und die (schon immer) vorhandenen Wurzelunkräuter wie Ackerwinde, Giersch und Quecke haben den größten Teil unter ihrer Herrschaft. Kein sonderlich schöner Anblick.

Gestern war ich in einem Vortrag über Bienenweiden und Anpflanzungen für die Insektenwelt (von einer Berufs-Imkerin und Landwirtstochter, keiner Gärtnerin), weil ich mir gut vorstellen könnte, den Garten in eine "wilde Blumenwiese" zu verwandeln, wie man sie inzwischen öfters auf gemeindlichen Flächen findet. Leider hat der Vortrag als solches mir nichts sonderlich Neues erzählt, jedoch meine Befürchtung bestätigt, dass man für solche Blumenwiesen "Saatbeete" vorbereiten muss und der Unkrautdruck nicht zu groß sein darf. Ich habe jedoch den Tipp bekommen, die Fläche mehrmals im Sommer zu fräsen, damit die Wurzelunkräuter zwar immer wieder austreiben, jedoch die Wurzeln letztlich vertrocknen. In einem trockenen Sommer wie dem letztes Jahr würde das gut funktionieren. Anbauen könnte ich die Blühmischung dann im September, wäre inzwischen sogar eher empfehlenswert, da die keimende Saat dann den nächtlichen Tau nutzen könnte.

Was haltet ihr von der Empfehlung? Kann man Ackerwinde und Giersch, die ja aus sehr kleinen Wurzelstücken wieder austreiben, damit (weitestgehend) den Garaus machen, auch in einer relativ lehmigen und damit gut Feuchtigkeit haltenden Erde? Ich müsste mir dafür eine Motorhacke oder ähnliches anschaffen. Ein "Einachs-Traktor" mit wechselbarem Anbaugerät (z.B. Balkenmäher) ist eh so halb und halb geplant. Nur damit kann ich mir überhaupt vorstellen, den Arbeitsaufwand leisten zu können (sofern es dieses Jahr tatsächlich wenig Obst(arbeit) gibt nach der Rekordernte letztes Jahr).
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Mia » Fr Apr 12, 2019 16:32

Hallo Carolyn, :smile:

Quecke macht einer Blühwiese im Prinzip nichts, die kannst Du also schon mal von der Liste Deiner schrecklichen Unkräuter abhaken.

Auch Giersch macht ihr eigentlich nix, der wird ja auch sehr hoch und blüht auch sehr schön. Insekten mögen die Blüten auch sehr.
Das einzige was bleibt ist die Ackerwunde, da solltest Du wohl mit den Fingern dran, weil die alles totwuchert, sofern man sie nicht zu vernichten versucht.

Ich würde an Deiner Stelle an den schwersten, feuchtesten und lehmigsten Stellen Sand einbringen, damit der Boden magerer und lockerer wird. Und wenn Du ihn nur eimerweise draufkippst und oberflächlich mit einem Dreizahn etwas in die Erde bringst. Dabei kannst Du den Giersch auch gerade ausrupfen... Oder du nimmst Gierschlose Stellen und säst um den Giersch herum.
Den Sand aber nicht wegen der genannten Wurzelunkräuter, sondern damit die Blühmischung in Deinem Garten direkt ( und jetzt im Frühjahr!) sofort Fuß fassen kann. Viele Wildblumen brauchen ja gar nicht soviel Lehm und Kompost, sondern bevorzugen magerere Standorte.
Natürlich musst Du den Boden vorbereiten, damit die Saat überhaupt aufgehen kann. Aber es reicht, wenn Du zwischen Giersch und Quecken halbwegs leere Freiflächen schaffst ( wie gewundene Straßen), in die Du einsäen kannst. Die neuen Samen sollten nur nicht sofort wieder zugewuchert werden können -- und bis jetzt ist das Frühjahr ja zum Keimen feucht genug.
So würde ich das anfangen. Blühinseln und Blühstraßen bilden - und von da aus größer werden.

Ansonsten kann man sich auch auf die Natur als Helfer verlassen. Denn Phazelia und Sonnenblumen und Klee ( keine Ahnung, was in Deiner Mischung drin ist- und was ICH ggf.noch hinzufügen würde....*) haben ja auch das Bestreben, sich selbst am Leben zu erhalten und durchzusetzen.
*Zum Beispiel würde ich an feuchteren Stellen auch Baldriansamen hinzufügen, die vermutlich in Deiner Mischung nicht drin sind. Baldrian ist jetzt spontan das Erste, was mir einfällt. Sicherlich kommt noch mehr, wenn Du mir Deine künftige Blühmischung verrätst.

Ich meine, in der Natur ist es ja auch so, Carolyn, dass nicht der ganze Wald ( oder natürliche Freiflächen) voller Giersch stecken oder von Ackerwinden überwuchert werden. Das macht die Natur schon selber, dass sie für ein Gleichgewicht der Pflanzen sorgt. Bei viel Stickstoff im Boden musst Du jetzt natürlich mit erhöhtem Aufkommen von Brennnesseln rechnen. Auch Brombeeren werden sich ansiedeln. Diese sind dann Deine nächsten "Feinde".

Vielleicht lassen sich ja auch Motorhacke und Blühstraßen kombinieren? Ich meine damit, Du musst ja nicht gleich ALLES an vorhandenem Raum umbrechen....?

Und Du solltest vermutlich einmal, zum Herbst hin, alles absensen. Zumindest in den ersten zwei Jahren, bis die Natur alles wieder selber macht. Oder Dir ein paar Schafe leihen.... ?

LG
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Carolyn » Mo Apr 15, 2019 13:03

Öhm, mindestens die halbe Fläche ist mit Ackerwinde verseucht. :lol: Genau deswegen brauche ich ja eine Methode, um ihr mit wenig Zeitaufwand Herr zu werden. :wink: Für "mit den Fingern" hatte ich die letzten Jahre schon keine Zeit. Meine Schwester hatte übrigens schon den halbernsten Vorschlag gemacht, Stauden und Zwiebeln durch ausgraben zu retten, die ganze Fläche abbaggern und mit neuer Erde auffüllen zu lassen. :lorl: Wobei ich dann mit Sicherheit keinen so guten Boden mehr habe.

Der Garten ist Hanglage, der unterste Teil soll ein klassisches Blumenbeet bleiben. Ganz oben bleiben auch die Beerensträucher (weiße, rote, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Himbeeren), die weißen Stachelbeeren haben wir am Samstag deswegen erst versetzt (und zusätzlich rote gepflanzt, beides auf die Fläche des vormaligen Folienhauses), darunter kommt noch ein Streifen mit Rhabarber und Erdbeeren. An der Seite bleibt auch die Rabatte mit Narzissen und Phlox, nur die Mitte, die ehemaligen Gemüsebeete (plus Erdbeeren und Bartnelken), die seit Jahren vollkommen unbearbeitet (und ungemäht) liegen geblieben sind, die will ich verändern. Wilde Brombeeren und Brennesseln sind da nie aufgetaucht. Die komplette Fläche ist ja auch maximal besonnt.
Quecke und Giersch muss ich auch deswegen im Zaum halten, um die umgebenden Beetflächen, die übrigbleiben, ein wenig zu schützen.
Der ganze Garten war (seit mindestens 60, 70 Jahren) reine Beetfläche (mit schmalen Wegen dazwischen, die auch jedes Jahr umgebrochen wurden), es ist ja kein Vorgarten von einem Haus, es ist/war ein reiner Blumen- und Gemüsegarten auf der anderen Seite des vorderen Hofes und mit einem stabilen Zaun mit Betonsockel umzäunt. Ich habe in der Zeit, als ich ihn noch bearbeitet habe, keine unterschiedliche Erde bemerkt. Maximal unterschiedliche Grade von Durchwurzelung mit Wurzelunkräutern. :lol: Einzig dass im oberen Teil weniger Humus drauf ist und man beim Umgraben schnell auf den blanken Lehm kommt, das ist ein Unterschied. Meine Mutter hat deswegen darauf geachtet, "nach oben" umzugraben.

Ich habe bisher nur Kleinstmengen an Blühmischungen für ein paar wenige Quadratmeter. Grundsätzlich soll es eine möglichst bunte Fläche werden, daher werde ich möglichst viele verschiedene Mischungen nochmals mischen und auch meine Restbestände z.B. an Bartnelkensamen beimengen. Was davon sich dann auf der Fläche halten kann trotz Wurzeldruck von Unkräutern und Schnecken muss sich sowieso zeigen. Mähen wird auf fetten Böden zweimal im Jahr empfohlen, auf mageren einmal. Wie nährstoffreich der Boden nach Jahren ohne Pflege noch ist, kann ich nicht sagen. Der Tipp mit der Saat im Herbst kam deswegen, weil der letzte Sommer zu trocken war, als dass die Saat vernünftig hätte wachsen können (ohne regelmäßige Bewässerung). Außerdem brauche ich auch noch einige Wochen, bis ich soweit bin, dass ich säen kann. Deswegen käme es mir ausgesprochen gelegen, erst im September zu säen.

P.S.: Ich habe gerade noch zwei Fotos aus 2014 rausgesucht, als der Garten noch halbwegs gepflegt war. Inzwischen blüht da im Sommer noch weniger, vom Phlox ist kaum noch etwas da. Das verdeutlicht das Problem vielleicht.
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Mia » Mo Apr 15, 2019 15:53

Na, das es Hanglage ist, das wusste ich schon, Carolyn.
Und ahnte auch die damit verbundene Anstrengung.
Dass alles sooo sehr mit Ackerwinde verseucht ist, ahnte ich nicht.
Bei mir wuchert sie an zwei Plätzen, also überschaubar, auch im Dortmunder Garten war es so. Auch der Giersch steht bei mir an überschaubaren Plätzen. Jetzt habe ich allerdings immer wieder gejätet und den Giersch auch immer wieder eingedämmt, und sei es mit Pappauflagen, auf besonders befallenen Orten, wo sich das manuelle Jäten nicht lohnte.

Tja, was soll ich sagen? DU wirst eine Möglichkeit finden, Deine Pläne umzusetzen!

Es ist auch ein Unterschied zwischen Dir, Bauerntochter, und mir. Ich bin ja so ein städtischer 'Kleinkrämer'. Den Dortmunder Garten habe ich hinbekommen, indem ich nahezu jeden Tag wieder ein kleines Stück Wiese abtrug und umgedreht kompostierte. Den Garten hier auch.
Immer Stückchen für Stückchen, mit Geduld. Auf die Idee, mit großflächigen Maschinen zu fuhrwerken, bin ich - für mich - niemals gekommen. Selbst den sehr, sehr großen Garten im Bergischen Land habe ich auf diese Weise, nach und nach, meinen Bemühungen untertan gemacht.
Wobei ich nicht ungeschickt im Denken bin.
Ich gucke mir immer den Boden an und die Lichtverhältnisse, und entscheide dann, welches Kraut und welche Bepflanzung mir dort hilft, um Unkräuter zu unterdrücken. Es gibt z.B. im Wald eine Art wilde Pachysandra, ich habe keine Ahnung, wie das Zeug genau heißt, aber es wächst im Schatten UND in völliger Trockenheit, es deckt ALLES ab und lässt KEIN Unkraut hochkommen. Damit habe ich im Bergischen ganze, große Flächen bepflanzt, und zwar auf meine kleinkrämerische Art. Immer ein Stückchen Erde freimachen, den 'Keim' für die zukünftige Begrünung dort einpflanzen- sprich, zwei oder drei Pflanzen- und dann die Natur machen lassen.

Wo ich es etwas bunter haben wollte, habe ich anfangs den billigen, rosa blühenden Storchschnabel gesetzt, jenen der wuchert, jenen, der oft weggeworfen wird ( wilde Pflanzenkippen/Friedhof) , und den nichts umbringt. Nach zwei, drei Jahren sind die Flächen dann großflächig bedeckt, unter den schattenspendenden Pflanzen hat sich eine relativ gute Bodengare gebildet, und nun kann man die relativ einfach ausmachen ( bodendeckende Waldpflanze) oder sogar ausrupfen ( Storchschnabel) , und da was anderes zwischen pflanzen.
Giersch kam nicht mehr hoch, Ackerwinde kam nicht hoch, Quecken hatte ich nicht. Die habe ich erst in Dortmund kennengelernt.

Also, ich bin da durchaus trickreich. Aber DU wirst eine Möglichkeit finden, die genau DEINEN Gedanken und größeren Anschaffungen an Gerät entspricht, da bin ich mir sicher, Carolyn!

Lieben Gruß
Mia

Ps.: Giersch habe ich tatsächlich in einem Beet stehengelassen, und zwar an der östlichen Hauswand, zu der rosa Kletterose New Dawn. Die klettert gut und blüht ja überreich in diesem ganz sanften Rosa. Im Juni/Juli/August, wenn die Rose in voller Blüte stand, und der Giersch, nun einen Meter hoch, davor seine weißen, zarten Schirmblüten entfaltete, war das optisch ein Traum! Zu dem Giersch und mit ihm vor der Rose, hatte ich hellblaue, hohe Waldglockenblumen. Davor wuchs irgendwas kleineres, ich weiß gar nicht mehr, was das war. Jedenfalls, immer wenn ich aus der Tür trat und diese wunderbare Schönheit sah, habe ich mich NUR gefreut!
Gut, das Ostbeet war abgegrenzt, der Giersch konnte da nicht so gut raus.

Auf die Idee, für mich, irgendwo eine wilde Blumenwiese anzulegen, bin ich noch nicht gekommen. Einfach weil ich mitbekam, wie beschi**en die normalerweise aussehen. Sieht man ja immer wieder, dass Leute sich so eine Samenmischung kauften, und dann, mitten im Rasen, so ein spargeliges Beet entsteht. Spargelig deshalb, weil es keinen Unterwuchs gibt. Da stehen dann Klatschmohn und Kornblume und Kornrade und keine Ahnung was, an dünnen Stielen nebeneinander, aber "natürlich" wirkt das nicht.
So verhält es sich auch mit diesen "Blühbeeten" in der Stadt, die man jetzt öfter sieht. Auf dürren, ungegossenen Flächen blühen da bis zum Herbst ein paar magere Pflänzchen vor sich hin, die den Boden eben NICHT decken.
Ich denke, die Sache mit diesen 'städtischen Blühwiesen' ist noch nicht ausgereift.
Da sollte gedanklich noch etwas anderes kommen.
Ich würde das an Deiner Stelle nicht so anbauen wollen, Carolyn.
Prinzipiell schon, ja, sehr gerne, aber nicht so!
Auch wenn ich mir die Feldrandstreifen mit 'Greening' anschaue, bin ich nicht überzeugt. Weitestgehend sind es Einjährige, und auch die stehen relativ spargelig auf einem sonst leerem Boden. Biologisch ist das nicht!
Es fehlt die Bodendeckung. Die dann auch Unkräuter unterdrückt und für Schattenwurf und Bodengare sorgt.
Nun, hier hilft denken -- und neue Konzeptionen planen. :wink:

Mia
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Carolyn » Mo Apr 15, 2019 18:10

*seufz* Mia, ich suche eine halbwegs ansehnliche Lösung für diese Fläche, die ich momentan nicht anschauen mag, an der ich verzweifle und für die ich mich schäme vor jedem, der auf der Straße daran vorbei geht. Und es gehen viele daran vorbei, auch Leute, die ich kenne, die meine Eltern kannten usw. Deine Methode mit täglich ein bisschen was kann ich nicht umsetzen. Das habe ich in den Anfangsjahren schon nicht wirklich geschafft, seitdem ich meine Obstgärten selber mähen muss und jetzt ja auch der Wald noch jedes Jahr Arbeit macht plus Fibro usw. ist daran nicht mehr zu denken. Klar muss sich so eine Blumenwiese erst einwachsen (die momentanen Konzepte sind eher auf vier Jahre Minimum ausgelegt (ein Zeitraum, der vermutlich den Verboten zum Umbrechen von Grünland geschuldet ist), ich hoffe auf eine wirklich dauerhafte Lösung mit Selbstaussaat). Dass das kein gepflegter Garten wird ist mir auch klar. Ich hoffe nur, es sieht besser aus als jetzt, das ist alles.

Dieses Jahr sehe ich halbwegs Chancen, dass ich es zeitlich hinbekommen könnte, etwas zu ändern, da ich annehme/vermute/hoffe, dass die Obsternte gering ausfällt nach der Rekordernte letztes Jahr (350 kg fertig vorbereitetes Obst für Marmeladen, Gelees, Säfte, Kompott plus 150 kg für die Presse plus Frischverzehr und Verschenken plus etwa nochmals die gleiche Menge (eher mehr), die direkt entsorgt werden musste weil faulig/schimmelig/unreif abgefallen/ähnliches). Wenn Du eine bessere Lösung weißt, dann her damit. Und nein, die Baggermethode ist nichts für mich, es war ein verzweifelter Vorschlag meiner Schwester. Soviel Urlaub habe ich nicht, wie ich dafür nehmen müsste, um das hinzubekommen und trotzdem die mir wichtigen Pflanzen zu retten und hinterher etwas zu haben, das mir entspricht. (Ein Bauer würde im Übrigen Zaun und befestigten Weg rausreißen, alles, was noch an Bepflanzung übrig ist, vernichten und Gras ansähen, fertig. Auch diesen Rat habe ich schon bekommen.)

Und ja, ich versuche damit auch etwas für die Insektenwelt zu tun. Ich bin umgeben von intensiv genutzten Wiesen und Feldern, der klassischen grünen Wüste im Sommer. Die blühenden Obstbäume sind stumm und das ist gespenstisch. Zu den Geranien in den zwei Dutzend Balkonkästen sehe ich keine Alternative, da kaum etwas anderes so leicht zu ziehen und so trockenheitsverträglich ist und dabei so zuverlässig gedeiht. In den Töpfen vor dem Haus in praller Südsonne fühlen sich die meisten Blumen auch nicht wohl und dursten bei nur einmal wöchentlich gießen. Die Streuobstwiesen kann ich nicht nur zweimal im Jahr mähen, weil ich es nicht umsetzen kann, nach der Mahd dann das Gras abzurechen, aufzuladen und wegzufahren. Wir haben es einmal versucht (versuchen müssen) ... 3000 qm zu zweit an einem Samstag mit Handarbeit sind einfach zu viel Arbeit für meine Schwester und mich, ganz abgesehen davon, dass ich nur mit Glück jemanden gefunden habe, der mir das Gras ausnahmsweise abgenommen und zu Siloballen gepresst hat. Also bleibt als kontinuierliches Blühangebot der alte Garten. Der Teil, um den es geht, sind 60 oder 70 qm, die kriege ich notfalls sogar mit der Motorsense gemäht, wenn die Gartentür zu schmal für etwas anderes sein sollte. Allerdings nicht die Quecken, die sind zu hart und zäh für den Faden der Motorsense. Altes, trockenes Gras lässt sich übrigens auch mit der normalen Sense kaum noch mähen.
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Mia » Mo Apr 15, 2019 19:42

Stimmt, man sollte sensen, wenn das Gras noch frisch grün ist. Sonst geht es nicht.

Tja, Carolyn, :smile:

es bleibt nichts anderes übrig, als umdenken.
Dein jetziges Umdenken, die riesengroße Fläche, die Du allein nicht bewirtschaften kannst, zumindest zum größeren Teilen in eine Art Blühwiese zu verwandeln, ist, finde ich, ein sehr guter Anfang. Für Dich, für die Pflanzen und die Insekten, auch für die Nachbarn, aber es fehlt noch der Schlüssel, der die Sache rundherum 'richtig' macht.

Natürlich wird das so nie ein gepflegter Garten werden, wie man sich das unter 'pflegenden' Umständen vorstellen kann, aber den braucht man ja auch nicht. Als unser Erschaffer die Moorwiesen erfand, hat er ja auch nicht daran gedacht, den Kohl geordnet neben den Sumpfdotterblumen wachsen zu lassen. Er dachte großzügiger. Und wenn ER es nicht war, dann war es die Evolution. Die Natur denkt großzügiger als wir Menschen es tun.
Wir haben in der Natur aber eine wunderbare Hilfe, unsere eigenen Ansprüche zu relativieren. Du kannst Dich doch umschauen, in den naturnahen Gebieten um Deinen Hof, und siehst, wie die aussehen. Hier, in Warburg und Nordhessen, ist es zum Beispiel so, dass es viele natürliche Flächen gibt, die im Frühjahr von Schafen oder Ziegen abgeweidet werden müssen, um die Ursprungsflora zu erhalten. Um die hier wachsenden winzigen Enziane und die kleinen Orchideen wieder hochkommen zu lassen.
Guck doch, wie es bei Dir in wilden Brachen aussieht- und das nimm! Nimm deren Pflanzen - und säe die Blühmischung drumherum aus.
Vielleicht auch mal ein neues Hobby, um den Boden zu bereinigen? Zwei nette Schafe, alternativ zwei nette Ziegen? So ein Schafzaun, den man immer wieder überall aufstellen kann, sogar mit Bodenankern in die Erde rammt, er kostet nicht die Welt.
Du hast dafür aber "Rasenmäher" - und Unkrautfresser.
Ich würde das machen, mit Schafen oder Ziegen, wenn ich so ein großes Gelände hätte.
Mein Herz würde schlagen, wenn ich sie abends sähe, wie gerne würde ich sie leckern und streicheln - und ich wüsste, sie hätten für mich viel Tagesarbeit erledigt.
Wäre das eine Umdenkmöglichkeit?
Was sie an Gräsern gut wegfressen und wegscharren - da können bald blühende Mischungen wachsen.
Ich würde diesen Gedanken nicht von vorn herein ablehnen, Carolyn.

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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Carolyn » Di Apr 16, 2019 13:19

*lach* Mia, als ich Kind war hatten wir noch Schafe, vier oder fünf Stück mit Bock. :wink: Der Schafstall war später dann Hühnerstall.
Wer füttert die Schafe morgens und abends, wer mistet den Stall aus und macht das Heu für den Winter? Wer kümmert sich um Schur und Klauenpflege?
Von Ziegen habe ich gelegentlich Besuch, sie sind Ausbrecherkönige und Gipfelstürmer. Ich müsste sie vermutlich vom Dach der Traktorgarage holen, von wo aus sie bequem die besten Boskop- und Streimäpfel futtern könnten, sind das doch die südlichen Äste der Bäume mit zusätzlich auch noch Wärmeabstrahlung vom Dach. Und auch nur ein Stück Obst vom Boden aus erreichen zu können könnte ich mir dann endgültig abschminken. :lorl: Von der jungen Hecke am Westrand der Streuobstwiese ganz zu schweigen.

Nein, Mia, ich brauche wirklich keine zusätzliche Arbeit. :lol: Ich bin ja schon froh, dass ich keinen Kater mehr zu versorgen habe, nur eine halbwilde Katze als gelegentliche Kostgängerin. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich am Wochenende mir einen Tag Ausschlafen bis halb zwölf oder später gönne, um wieder Kraft aufzutanken für die Woche. Kein Organisationsaufwand, wenn ich beruflich oder privat wegfahre. Keine Dispo, wie ich die Zeit für einen Tierarztbesuch finde. Nene, Mia, Tierhaltung - egal welche - BRAUCHT Zeit und verursacht Aufwand und ist - für mich - eine zusätzliche Belastung. Ich versuche Zeit einzusparen und Aufwand zu reduzieren. :wink: Um den Zeitpunkt, an dem ich mein Zuhause aufgeben muss, weil ich die Arbeit nicht mehr schaffe, möglichst weit hinauszuschieben. (Das ist das "Umdenken", das ich möglichst vermeide.)

Brachflächen kenne ich hier in der Umgebung nur als geschützte Biotope (davon habe ich selber zwei, Waldstreifen mit Mini-Bachlauf, größtenteils extreme Hanglage) oder als für den Naturschutz gepflegt (und damit wohl auch Biotope, aber halt vom Menschen geschaffene/erhaltene). Bei beiden wäre es eher schlecht weil "gesetzeswidrig", sich Pflanzen auszubuddeln. *g* Aber auch weil es dort entweder vollkommen andere Lichtbedingungen (lichter Wald) oder Bodenverhältnisse (Kies oder Sumpf) gibt. Da wir hier in Bayern ja noch überwiegend kleine Bauern haben, die auch kleinere Flächen nutzen, gibt es nur wenige kleine Ecken, die nicht genutzt werden. Ich vermute, Du fändest sie bei Deinen Spaziergängen mit Hund auch eher als ich (mit dem Auto). *g*



Meine Schwester und ich haben gestern noch lange Zeit diskutiert (vorwiegend wegen des nötigen neuen Rasentraktors). Sie kam wieder auf ihren Vorschlag zurück, die ganze Fläche für ein Jahr (bis ins nächste Frühjahr) mit schwarzer Mulchfolie abzudecken und mit Latten, Steinen und einigen großen dekorativen Blumentöpfen (im Sommer) zu beschweren. Unter der schwarzen Folie (die NICHT mit Erde oder Kies o.ä. abgedeckt wird!) sollte sich hoffentlich genug Hitze stauen, um die Wurzelunkräuter nachhaltig zu schädigen. Auch wenn das in diesem Jahr ziemlich besch...eiden aussieht, es ist dann wenigstens klar, dass da etwas passiert, etwas umgesetzt wird, im Gegensatz zu jetzt. Wie stabil die Folie ist, ob sie Wind/Sturm, Schnee und Eis aushält, ob sich darauf Katzen wohlfühlen oder ihre Krallen hineinschlagen, weil sie darunter eine Maus hören oder Krähen Löcher hinein picken, ob sich die eher harten Gräser hindurchbohren können usw. usf. muss sich zeigen. Ich müsste wohl einen Spargelbauern fragen, ob er Probleme mit Vögeln hat, aber zum Reichenspurner Hof habe ich keine Kontakte (falls der überhaupt mit Folien arbeitet, kA). Erstmal muss jedenfalls das "Heu" vom letzten Jahr weg (und der selbstausgesamte Knoblauch sowie etliche ausgewanderte Narzissen *g*).
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Re: Kampf den Wurzelunkräutern

Beitragvon Hapy » Di Apr 16, 2019 22:22

Hallo Carolyn,

ich bin mir sicher, dass die Firma Reichenspurner Folien im Spargelanbau einsetzt. Nur so ist es möglich frühzeitig (wenn er noch teuer ist) Spargel auf den Markt zu bringen. Aber diese relativ leichten Folien sollen nur kurze Zeit ein früheres Ernten ermöglichen.

Ich hatte vor Jahren eine Bluthasel im Garten, die nur sehr kleine Früchte trug. Nachdem etwa zwei Meter weiter eine Hasel aufgegangen war, die offensichtlich aus einer Haselnuss aus dem Nachbarsgarten aufgegangen war, wollte ich die Bluthasel entfernen. Da ich nicht in der Lage war, den Wurzelstock zu entfernen, dachte ich mir, dass ich den Neuaustrieb mit einer schwarzen (Teich-)Folie kleinkriegen könnte. Es hat nicht funktioniert. Verbrannt sind die neuen Triebe nur da, wo sie unmittelbaren Kontakt zur Folie hatten. Da hat dann auch die lange Zeit und das Entfernen der neuen Triebe nicht so richtig geholfen.

Wurzelunkräuter haben natürlich nicht die Reserven, die ein Haselwurzelstock hat. Aber auch da dürfte es eher die Abwesenheit von Licht sein, die dafür sorgt, dass den Pflanzen nach dem Austreiben die Puste ausgeht. Wie lange so eine Folie liegen muss, kann ich nicht sagen, aber drei bis vier Monate werden es wohl sein und dann gibt es immer noch Pflanzen, die entfernt werden müssen.

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