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Sonstige Fragen und Antworten rund um's Bio-Gärtnern

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Beitragvon Mia » Fr Jan 26, 2018 00:00

Thema: "Hag" und "Hecksen", bzw."Hexen" :wink:

Hallo liebe Leute,
neulich wollte ich meinen jüngeren Sohn überreden, mit mir nach Wolfhagen zu fahren. Dort soll es einen Umsonstladen geben, und ich wollte schauen, was die da so haben. Außerdem wollte ich ein gut erhaltenes Kaffeeservice und diverse Töpfe spenden. Aber der Sohn war nicht interessiert, er sagte mir ganz deutlich, er habe keine Lust in eine ländlich abgelegene Knüste zu fahren. Kühe angucken? Schafe? Wölfe gäbe es wohl dort nicht mehr!
Weil er durchaus an Pflanzen und Gärten interessiert ist, versuchte ich es über einen Umweg.
"Sag mal, weißt du eigentlich, Karl, woher der Begriff "Hag" oder alle Städtenamen mit "Hagen" kommen?"
"Nein!" Der Sohn gähnte gelangweilt.
"Soll ich es dir erzählen?"
Karl: "Meinetwegen!"

"Also, das war so: In den beginnenden Zeiten des Mittelalters ( und vorher) waren die größten Teile Deutschlands ( auch Englands, Frankreichs, Spaniens...) noch mit Wald bedeckt. Aber wir sprechen jetzt hier von dem Landstrich, den man heute Deutschland nennt.
Die Länder bedeckte ein wilder, unzugänglicher Forst, voller Rehe, Hirsche, voller Wildschweine, aber auch Wölfe hausten darin.
Wenn die Menschen, die inzwischen Ackerbau und Viehzucht gelernt hatten, überleben wollten, mussten sie diesem wilden Wald Orte abringen, wo sie zum Beispiel Gemüse und Obst anbauen konnten.
Das taten sie durch Brandrodung. Aber die Flächen, die sie vom Wald eroberten, waren ständig durch hereinlaufende, zerstörende Tiere und auch durch hungrige Räuber bedroht. Sie mussten also irgendeinen Schutz drumherum anbringen, und das taten sie durch stachelige Hecken. Diese Flächen, im wilden Wald, die sie nach außen durch Hecken schützten, nannten sie einen "Hag". Alle Ortsnamen, die heute noch die Silben "Hag" oder "Hagen" in sich tragen, waren einmal solche Flächen.

Ein "Hag" war also ein Stück Land, was dem wilden Wald abgerungen war, geschützt durch stachelige Hecken. Nur durch den Schutz nach außen hin, wurde diese Fläche zum "Hag". Im 'sicheren' Hag konnten nun Gemüse, Kräuter und Obstgehölze 'gehegt' werden.
Die Klöster und Edelleute bauten Mauern um ihre Hage ( es gibt wundervolle alte Mariendarstellungen von solchen Gärten: z.B. Maria im Rosenhag), in der Regel wurden aber vom gemeinen Volk eben keine Mauern verwandt, sondern nur (gern stachelige) Hecken als Schutz gepflanzt.
Und im Schatten dieser Hecken saßen ( aufpassend, bewahrend und behütend) die kräuterkundigen Frauen, damals folgerichtig "Heksen" oder Hecksen" genannt. Nur kurze Jahrhunderte später änderte sich der Begriff zu "Hexen" und die Frauen wurden auf den Feuern der Inquisition verbrannt. Vorher noch der Gesellschaft sehr nützlich, erschienen sie nun gefährlich.
Willst du nicht doch mitkommen, Karl? Aus reinem Interesse?"

"Nein!", sagte der Sohn. " Das ist doch schon viel zu lange her!"

Tja, aber vielleicht mochtet Ihr es gerne lesen? :wink:

Lieben Gruß,
Mia
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Re: Wissenswertes

Beitragvon praktinet » Mi Feb 14, 2018 12:08

Hallo Mia,

das ist ein sehr schöner Text. Vielen Dank dafür! Würde mich freuen mehr solcher Geschichten von dir zu lesen. =D>

LG
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