Obstbäume: Obstbaumschnitt

   

Werkzeug

Einhandschere (Bypassschere)

Sie sollte eine flache und eine dickere Klinge aus gutem Stahl aufweisen, Edelstahl ist ungeeignet. Die flachere Schneidklinge sollte austauschbar sein. Alle anderen Typen mit Amboss usw. sind ungeeignet, sie quetschen die Rinde oder funktionieren nach einigen Nachschleifaktionen nicht mehr korrekt.

Man kann die Schneidklinge nachschärfen auf dem Abziehstein, der eine etwas gröbere und eine feinere Seite haben sollte. Der Schneidwinkel sollte 22° betragen. Es gibt für dickere Äste auch Ausführungen mit Stielverlängerung oder mit Rollgriff. Letztere Ausführung ist für Damen und 'Bürohengste' besser geeignet, sie vermeidet ggf. Sehnenscheidenentzündungen. Sie erleichtert die Arbeit, weil sie alle Finger an der Kraftanstrengung beteiligt.

Einige Fabrikate haben eine Saftrille und eine Aussparung zum Abschneiden von Drähten. Alle sollten eine Arretierung und integrierte Gummidämpfer auf beiden Griffteilen zur Abfederung der Gelenke beim Schneiden haben. Sie sollten nicht klemmen und festsitzende Gummi- oder Plastikmanschetten an den Griffen aufweisen.

Billigfabrikate enttäuschen fast immer.

Sterilisierung mit Brennspiritus nach jeder Benutzung ist von Vorteil, bei Befall u.U. nach jedem Schnitt. Einmal jährlich auseinandernehmen, reinigen und ölen.

Mit den neueren 'Alligator'-Beißern, einer Elektro-Astschere mit integrierter Kette, kann man bis zu 100 mm dicke Äste durchschneiden.

 

Astschere: Sie ist im Prinzip eine verlängerte Einhandschere zum beidhändigen Schneiden. Mit Getriebeübersetzung geht es noch einfacher.

 

Die Baumschere ist ein besonders spezielles Gerät. Der Schneidekopf ist an einem Rohr befestigt und wird über einen Zugriff betätigt.

 

Die Hohenheimer Bügelsäge hat einen Revolvergriff mit Spannhebel, der umgelegt werden kann, so dass das Sägeblatt in alle Richtungen schwenkbar ist. Stumpfe Blätter werden durch neue (Schwedenstahlblätter) ersetzt. Erfahrungsgemäß bleiben diese Stahlblätter lange scharf.

 

Messer

Die sogenannte Hippe, mit einer nach unten gebogenen Schneidespitze, wird benötigt zum Nachschneiden von Sägewunden, zum Entfernen von Baumkrebs, Schröpfen usw. Die Veredelungsmesser sind dafür nicht geeignet. Es wird ähnlich wie die Schere, nämlich einseitig, geschliffen. Beim Kauf des Werkzeugs sollte man nicht sparen. Guter Stahl braucht längere Zeit, bis die Klinge wieder scharf ist.

 

Abziehstein

Der Abziehstein wird angefeuchtet oder mit Öl beträufelt, die Klinge mit kreisenden Bewegungen der nahezu aufliegenden Klinge auf der gewölbten Außenseite abgezogen. Ein etwaiger Grat auf der Gegenseite (Innenseite) wird vorsichtig auf der Feinseite des Abziehsteins entfernt.

 

Leiter

Die Leiter ist ein Risikofaktor.

Am meisten haben sich Alu-Leitern bewährt, die leichter als Holzleitern sind und nicht der Korrosion unterliegen. Sie muss standfest stehen, das gilt vor allem für Arbeiten an hohen Bäumen, möglichst mit breiten Querrohren im Fußbereich und an den Enden rutschfest mit Plastik ummantelt oder mit Stahlspitzen, je nach Gelände. Holme sollten mindestens 30 mm im Quadrat haben.

Für Markenfabrikate werden allgemein 5 Jahre Garantie gewährt. Sie haben zusätzliche Gütesiegel, die das Einhalten der DIN-Norm 4568/69 und die Vorschrift der Berufsgenossenschaft VBG 74 zusichert. Weitere Qualitätsmerkmale sind die Gütezeichen von TÜV, BG, Dekra oder das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit.

Der optimale Anstellwinkel ist 70°, höher als bis zur viertletzten Sprosse sollte man nicht steigen. Man suche sich einen kräftigen Ast zum Anlehnen aus und sichere die Leiter zusätzlich daran mit Seil oder Gurt. Vorsicht: Kirsch- und Aprikosenholz ist besonders brüchig. Da beide Hände beim Schnitt gebraucht werden, muss man sich mindestens mit einem Knie und einem Fuß an der Leiter "festhalten" können (Erntekörbe o.ä. sollten am besten mit einem kräftigen Haken an der Leiter befestigt werden, damit beide Hände frei sind).

Schnitt-Technik

Die rechte Hand hält Schere oder Säge, die linke den zu entfernenden Zweig. Man kann ihn mit weniger Kraftaufwand abschneiden, wenn man ihm Spannung gibt, d.h. den Zweig, der rechten Hand entgegengesetzt, wegbiegt. Die scharfe Schneidklinge der Schere muss immer zum zurückbleibenden Ast weisen (dort ist dann die Schnittfläche glatt ohne Rindenquetschung), niemals zum abgeschnittenen Zweig. Vom abgeschnittenen Zweig darf kein Stummel am Hauptast zurückbleiben. Am besten arbeitet man sich um den Baum herum im Uhrzeigersinne vorwärts. Dickere Zweige werden von oben nach unten abgesägt, damit das Sägemehl nicht den Sägespalt verstopft. - Kommt es auf einen sauberen Schnitt nicht an, z. B. beim Kürzen von abgeschnittenen Zweigen, empfiehlt es sich, die Schere etwas schräg zum Zweig anzusetzen. Dadurch ist geringerer Kraftaufwand nötig.

Dicke Äste werden etappenweise abgesägt. Zunächst wird der Ast in etwa 30 - 50 cm Entfernung von der endgültigen Schnittstelle von unten angeschnitten, dann in noch etwas größerer Entfernung von oben. Der Ast bricht ab, wenn er etwa halb durchgeschnitten ist, ohne Rinde vom verbleibenden Ast oder Baum abzureißen. Dann wird er endgültig an der vorgesehenen Schnittstelle, in der Regel direkt am Stamm, von oben nach unten abgesägt. Aststummel werden nicht ernährt und faulen.

Mit der Hippe die Wundränder nachschneiden und die gesamte Schnittfläche mit Baumwachs bestreichen, einschl. einiger Millimeter Baumrinde darunter. Leider bietet der Wundverschluss auch etwaigen Pilzen gute Entfaltungsmöglichkeiten unter dessen Schutzbelag. Wundverschlusspasten mit Fungiziden sind hier angebracht. Sollte sich an dieser Stelle ein neuer Zweig (Zugast) bilden, so sollte man ihn 1 - 2 Jahre dort belassen und gerade binden, er unterstützt die Wundheilung. Soll ein Ast vollkommen entfernt werden, so darf kein Stummel zurückbleiben, er wird also direkt am Stamm oder Astring abgeschnitten. Die Wundversorgung sollte bei Schnittwunden von 25 mm an beginnen. Wird der Mittelast zurückgenommen, wird er etwas schräg abgeschnitten, damit der Regen besser abläuft. Werden Zweige gekürzt, sucht man sich ein Auge, das am günstigsten steht, um die gewünschte Richtung der Triebverlängerung zu erzielen. Das wird z.B. bei den Tragästen in der Regel ein nach oben stehendes Auge sein, wenn sich der Ast durch reiche Ernte nach unten geneigt hat. Man schneidet dann mit der Schere den Zweig schräg ab, d.h. der Schnitt geht auf der Augenseite direkt über dem Auge durch das Holz, gegenüber etwa in Höhe des unteren Augenansatzes: Die Schere bildet gegenüber dem Ast einen Winkel von etwa 45 - 50°.

Zeitpunkt

Darüber gibt es einigen Disput unter den Gelehrten! Im allgemeinen gilt, dass ein Schnitt im Winter, etwa Oktober bis Mitte Januar, zu einem starken Austrieb führt. Ein späterer Schnitt erfasst schon einen Teil der Säfte, die in der Wurzel gespeichert wurden, und somit ist der Austrieb geringer. Besonders deutlich kommt das zum Ausdruck, wenn im Hochsommer geschnitten wird: Stark wachsende Gehölze werden auf diese Weise abgebremst. Es wird immer Wert darauf gelegt, dass kein Schnitt bei nassem Holz erledigt wird.

Wuchskräfte

Die Wuchskräfte bei den Pflanzen sind um so höher, je steiler und höher ein Trieb über den anderen steht. Umgekehrt hört ein Trieb auf, in die Länge zu wachsen, wenn er in der Waagerechten oder noch tiefer steht. Dafür treiben aus den oberen Rindenschichten neue Triebe senkrecht in die Höhe, da der Saftstrom an der Oberseite am stärksten wirkt. - Die senkrechten Triebspitzen streben unter allen Umständen in die Höhe und reservieren für sich dazu alle Säfte, deren sie habhaft werden können. Sie unterdrücken sogar durch ein Hormon die Ausbildung neuer Triebe im darunter liegenden Bereich. Wird die Spitze gekappt, entfällt die Hormonbremse, aus den Knospen wachsen Triebe: Bei scharfem Schnitt sind es wenige kräftige, bei kurzem Schnitt mehrere schwache.

Pflanzschnitt

Jungbäume sollten virusfrei sein (rotes Etikett). Beschädigte Wurzeln werden abgeschnitten bis zum unbeschädigten Teil. Üblicherweise werden zweijährig vorgeformte Bäumchen gekauft. Sie erhalten im Frühjahr nach dem Einpflanzen einen Pflanzschnitt, der schon die zukünftige Krone im Auge hat. Ein etwaiger Konkurrenztrieb des mittleren Leittriebes wird an der Ansatzstelle abgeschnitten. Man suche mit Sorgfalt drei, höchstens vier Seitentriebe heraus, die als zukünftige Leitäste (Tragäste) in Frage kommen. Die Leitäste sollten nicht derselben Höhe am Stamm entspringen, sondern versetzt sein. Ihr Winkel gegenüber dem Stamm sollte 45°, ihr Winkel gegenüber dem nächsten Leitast 120° bei drei Leitästen sein bzw. 90° bei 4. Es gibt auch modernere Formen, wo der Winkel gerade mal 90° ist. Ggf. Leitast abspreizen (ein Schnittholz, dessen Enden winkelförmig eingeschnitten sind, so zwischen zwei Ästen anbringen, dass der schwächere Ast in die richtige Richtung zeigt. Damit es nicht abfällt, unter einer Knospe oder Verdickung ansetzen), stäben (ein starkes Schnittholz parallel zum abgebogenen Ast binden, so dass dieser anschließend in die richtige Richtung weist), oder auf die richtige Höhe binden (Starkes Band ziemlich am Ende eines zu steilen Astes binden und das andere Ende des Bandes an den Mitteltrieb heranziehen und dort befestigen). Neuerdings gibt es auch im Fachhandel Asterziehungshilfen.

Alle anderen Seitenäste über den ausgewählten Leitästen werden auf Astring (direkt am Stamm) abgeschnitten, die darunter befindlichen werden waagerecht gebunden. Sie helfen später beim Kronenaufbau durch ihre Blattmasse und sind die ersten Zweige, die fruchten. Dann werden die drei (oder vier) Leitäste etwa um ein Drittel bis zur Hälfte so zurückgeschnitten, dass am Ende ein Auge nach oben weist und alle Leitastenden gleich hoch stehen (Saftwaage). Die Saftwaage garantiert, dass alle Leittriebe gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt werden. Der Mitteltrieb (Leittrieb) wird so abgeschnitten, dass er etwa 15 - 20 cm über dieser Saftwaage endet, so dass von der Seite gesehen die Umrisse einer Pyramide entstehen. Durch die geringere Länge der oberen Seitenäste wird erreicht, dass die unteren Tragäste nicht verkahlen. Am Endpunkt des Mitteltriebes muss wieder ein Auge ausgewählt werden, das in seiner Verlängerung den Baum später möglichst gerade wachsen lässt.

Bei einjährigen Bäumchen sind die Seitentriebe meistens sehr viel schwächer. Damit sie kräftig durchtreiben, werden sie bei einigen Apfelspindeln, Pfirsichen und Sauerkirschen stärker zurückgeschnitten auf etwa 4 - 5 Augen. Im übrigen verfährt man wie bei den zweijährigen Bäumchen, nur wird der Stamm bis auf etwa 60 cm Höhe frei geschnitten, die Triebe werden also nicht waagerecht gebunden. Beim Schnitt muss man auf das Fruchtholz des Kernobstes achten, dass später die Früchte tragen soll. Diese Triebe sind immer kurz und kompakt, die Blatttriebe dagegen lang und schlank. Im allgemeinen entstehen fruchttragende Zweige, Fruchtholz genannt, an zwei- und dreijährigen Trieben. Fruchtspieße nennt man zweijährige Langtriebe, bis etwa 8 - 10 cm Länge, sie haben mehrere Blatt- und Blütenknospen, die Früchte daraus sind von bester Qualität. An der Stelle, an der die Triebe im Vorjahr Früchte angesetzt haben, bilden sich je nach Ernährungssituation des Baumes entweder Blattknospen oder neue Blütenknospen und neue Fruchtspieße (deswegen sollte man immer bei der Ernte sorgsam vorgehen). Diese Fruchtkuchen wachsen nach einigen Jahren kaum noch und bilden dann nach mehreren Jahren Fruchtbildung Ringelspieße, eng gebogene Zweige mit vielen dicht nebeneinander stehenden Knospen. Sind genügend Fruchtspieße vorhanden, entfernt man sie vollkommen, wenn nicht, schneidet man sie auf eine Knospe zurück. Rosettenschnitt: Alle Apfeltriebe werden zurückgeschnitten, daß nur ein kleiner Kranz aus 2 -3 Blättern stehen bleibt. Stummelschnitt: Senkrechte Zweige werden nach dem 2. Blatt gekürzt. Der Stummelschnitt regt die Bildung von Fruchtholz an.

Weiterführendes Online-Broschüre: Der bebilderte Obstschnittlehrpfad (pdf, aktuelle Version, ca. 730kB):


 

(zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung der http://www.BaumschuleRitthaler.de)

Falls noch nicht geschehen, müssen in dieser Phase die Leitäste von oben gesehen gleich große Winkel zu den anderen Leitästen haben und den richtigen Winkel von 45° (oder 90°) zum Stamm bekommen. Zu spitze Winkel (z.B. bei nicht geschnittenen Konkurrenztrieben) führen später oft zum Ausbrechen der Äste. Zu schwache Leitäste brechen ebenfalls unter der Last der Ernte, sie müssen durch Rückschnitt kräftiger gemacht werden. Durch diesen Schnitt wird die Seitenverzweigung angeregt. Je nach Wuchs kann dann ggf. im nächsten Jahr der Rückschnitt länger oder kürzer ausfallen. Wachsen die Leitäste zu wenig, so werden sie dadurch gefördert, dass die steilen Triebe am Stamm entfernt und alle übrigen bis zu einen waagerecht stehenden Nebenzweig abgeschnitten werden, der die weitere Führung übernimmt (Ableitung). Der Mitteltrieb wird dann möglichst stark abgeschnitten, so dass ein stumpfer Kronenschnittwinkel entsteht. Wächst der Mittelast zu wenig gegenüber den Leitästen, lässt man ihn länger, verkürzt die Leitäste stärker, so dass ein steilerer Pyramidenwinkel an der Spitze entsteht, und bindet die oberen Zweige am Mitteltrieb in die Waagerechte. Den Mitteltrieb sollte man immer zuletzt kürzen. Dann muss ausgelichtet werden, vor allem die Krone. (Einen Hut muss man durch die Krone werfen können).

Alles was sich reibt, kreuzt, zu eng oder nach innen steht, wird entfernt. An der Triebspitze werden alle Konkurrenztriebe abgeschnitten, belassen wird der am günstigsten stehende Mitteltrieb, der sich in Triebrichtung verlängert. Der schwächste Leitast wird zuerst behandelt: Der schwache Jahrestrieb wird etwa um die Hälfte zurückgeschnitten auf ein nach außen stehendes Auge. Jeder Leitast (Tragast) behält nur drei Seitenäste, je einer nach rechts und links stehend, der dritte zeigt auf die Mitte. Ihr Abstand voneinander sollte etwa 100 cm betragen. Ihre Verlängerung sollte schräg nach oben zeigen. Sie werden zurückgeschnitten auf eine Linie, die von der Leitastspitze im Winkel von 45° zur Erde führt. Die Fruchtäste dazwischen sollen nur halb so lang wie die Seitenäste bleiben, bei ihnen wird daher durch Absetzen die Spitze nach unten gerichtet, wodurch das Längenwachstum stark vermindert wird. Das kurze schwache Fruchtholz wird nicht geschnitten, es wird ebenfalls durch Absetzen auf ein nach außen gerichtetes Auge umgeleitet. Wenn alle drei (4) Leitäste in dieser Weise behandelt sind, werden sie auf die Höhe des ersten (=schwächsten) Leitastes gebracht (=Saftwaage). Dadurch wird eine gleichmäßige Nährstoffversorgung erzielt. Der Mitteltrieb wird begrenzt durch Rückschnitt auf eine Höhe, die an der Triebspitze einen Winkel von etwa 120° gegenüber den Endpunkten der Leitäste ergibt. Bei schwacher Ausbildung des Mitteltriebes kann dieser Winkel auf 100° verringert werden, das gibt dann ein spitzeres Dach, umgekehrt wird bei starkem Mitteltriebwachstum (z.B. bei Äpfeln, Birnen, Süßkirschen) der Winkel auf 135° erhöht (flacheres Dach). Soll der Erziehungsschnitt junger Bäume mehr zur Breite führen, kürzt man den Mitteltrieb so ein, dass er eine Handbreit über den Spitzen der Leitäste liegt. Nach einigen Jahren geht man dann zu einer Scherenlänge über.

Konkurrenztriebe werden entfernt. Das Seitenholz am Haupttrieb wird wie Fruchtäste behandelt, es wird bei stärkerem Wuchs nach unten umgeleitet. Sonst sollte es kurz und in waagerechter Stellung sein. Fruchtholz bildet sich besonders an waagerecht stehenden oder gebundenen Zweigen. Den richtigen Winkel erhalten sie ggf. durch Spreizstäbe oder durch Beschwerung mit Gewichten. Man kann sie sich selbst anfertigen, indem man Plastikblumentöpfe unterschiedlicher Größe mit Beton ausgießt und einen Draht mit gekrümmtem Ende hineinsteckt. Nach dem Aushärten kann man sie an die zu beschwerenden Zweige oder Äste hängen. - Damit die Leitäste genügend Licht bekommen, sollte die Länge des Seitenholzes von oben nach unten abnehmen. Bäume mit Mittelast haben eine Pyramidenkrone.

Die Landwirtschaftskammer NRW stellt fest, daß Obstbäume am besten ohne "Pflaster" auskommen müssen. Die Selbstheilungskräfte reichten zur Wundversorgung aus. Der Wundverschlss könnte dem Baum wirklich schaden: Wenn an der Stelle das Holz nicht ausreichend trocknen könne, verlangsamt sich die Wundheilung oder sie versagt.

Hohl-/Trichterkrone

Obstbäume mit zu starker Höhenwuchskraft werden als Hohlkrone oder Trichterkrone gezogen, sie erhalten also keinen Mitteltrieb. Der Mitteltrieb wird aus dem zweijährigen Bäumchen herausgeschnitten. Wie bei der Pyramidenkrone werden 3 - 4 günstig stehende Triebe als Leitäste herangezogen, Winkel zum gedachten Mittelast 45°, ggf. herunterbinden. Die Stammansätze der Leitäste sollten mindestens 5 - 7 cm Abstand voneinander haben. Alle anderen Triebe werden abgeschnitten. Die zukünftigen Leitäste werden um ungefähr ein Drittel zurückgenommen. In den nächsten Jahren schneidet man steile Triebe ab, waagerechte Seitentriebe bleiben ungeschnitten, die Leitäste werden um etwa ein Viertel ihres jährlichen Neuzuwachses gekürzt.

Hat man den richtigen Zeitpunkt für die Erziehung einer Trichterkrone verpasst, kann man den Mitteltrieb noch spätestens im 3. oder 4. Standjahr entfernen (entgipfeln). Danach behilft man sich damit, um nicht zu große Wunden zu schlagen, dass man die Leitäste auf die gewünschte Höhe kürzt und dann den Mitteltrieb nur wenig höher direkt über einem kleinen Seitentrieb absetzt. In den folgenden Jahren muss streng darauf geachtet werden, dass alle von dort nach oben strebenden Triebe abgeschnitten werden, damit der Baum nicht erneut in die Höhe schießt. Die Wunde muss mit Wundwachs behandelt werden. Damit das Regenwasser gut ablaufen kann, muss der Schnitt etwas schräg geführt werden. Die beste Zeit dafür sind die Wintermonate, bei Sauerkirschen vor dem Austrieb und bei Süßkirschen nach der Ernte. Möglichst nur an trockenen Tagen und bei Windstille schneiden wegen der Infektionsgefahr durch Pilzsporen usw. Krebswunden müssen ausgeschnitten, Wurzeltriebe entfernt werden. Der Pfahl kann ebenfalls entfernt werden, wenn der Stamm genügend stark geworden ist. Es ist darauf zu achten, dass Bindematerial nicht in die Rinde einwächst und damit die Saftzufuhr verhindert. Auch die Veredelungsstelle sollte inspiziert werden.

28.5.04. Zu dem Thema 'Winterschnitt' eine lesenswerte Einlassung von Sonja Catterfeld:

In Bezug auf Wundverschlußmittel und Schnittzeitpunkte bin ich etwas anderer Meinung. Bei einem Seminar über "Visuelle Baumkontrolle" von Vegetus (Thomas Ludwig), Anfang des Jahres, haben wir beide Punkte ausführlich diskutiert und obwohl ich in meiner Lehre auch gelernt hatte, Bäume niemals zu schneiden, wenn sie voll im Saft stehen (na ja, Obstbäume mal ausgenommen), mußte ich mich geschlagen geben. Braun hat ein Buch "Bau und Leben der Bäume" geschrieben, wo die von Alex Shigo erstmals so nett in die Diskussion geworfenen "Tyllen" wiederaufgegriffen werden. Danach hat ein Baum generell durchaus Mechanismen sich eindringenden Pilzen selbst zu erwehren, durch den Prozeß der Abschottung, bei dem Gerbstoffe, Steinzellen u.a. "Wände" hinter einer Verletzung errichten, die es Pilzsporen erschwert bis verunmöglicht weiter einzudringen. Natürlich sind Alter des Baums, Größe der Verletzung, Baumart, Ring- oder Zertsreutprigkeit, etc. zu beachten, aber generell haben Forschungsergebnisse wohl gezeigt, daß dieser sehr effektive Selbstschutz im hohen Maße temperaturabhängig ist. Braucht ein Baum im Sommer 1-2 Tage für die Abschottung einer ca. 1-Ero großen Verletzung, beträgt der Zeitraum für das Selbe im Winter bis zu 40 (!) Tagen. Und das, spricht natürlich ganz eklatant gegen die so lange praktizierten Winterschnitte. In Bezug auf Wundverschlußmittel haben alle Baumpfleger, Lehrer und sonstige Leute behauptet, sie wüßtem keinen positiven Effekt des Zeugs und total verrottete Bäume mit hübsch verstrichenen Wunden scheinen ihnen da Recht zu geben.

Sommerschnitt (August/ September):

Er unterstützt den Winterschnitt, kann ihn auch überflüssig machen. Hauptvorteile: Blütenbildung wird angeregt, Wundheilung erleichtert (vor allem bei Kirschen, Gummiflussgefahr), Wachstum durch Blattverlust gehemmt. Diese Wachstumshemmung ist ein großer Vorteil für stark wachsende Bäume. Der Sommerschnitt soll bewirken, dass die Nährstoffe in die verbleibenden Triebe gelenkt werden, sie besser ausreifen und frostbeständiger werden und die Früchte von der Sonne beschienen und damit aromatischer und gesünder werden. Ertragsschwankungen bei dafür anfälligen Bäumen können dadurch ausgeglichen werden.

Junge Bäume und Spaliere erhalten ihren Erziehungsschnitt im Frühsommer. Sind die Triebe mindestens 30 cm lang, werden die Leitäste und der Mitteltrieb freigestellt: Alle Konkurrenztriebe werden abgeschnitten (sie bilden eine Konkurrenz zur jeweiligen Triebverlängerung). Außerdem werden kleine Stammausschläge entfernt. Wenn sie noch weich sind, kann man sie abreißen. Dabei werden auch alle schlafenden Augen mit entfernt, so dass sie nicht mehr erneut austreiben. Das gilt auch für die nach oben weisenden Augen auf den Ästen, aus denen sich später aufstrebende Ständer oder Reiter ('Wasserreiser') entwickeln. Die Wunden heilen dann viel schneller zu. Hat man sie nicht im Mai entfernt, sollten sie ab Anfang August abgeschnitten werden. Stehen sie günstig, können sie waagerecht gebunden werden, sie bilden dann Fruchtholz aus. Gleichzeitig werden die nach innen stehenden Triebe an ihrer Entstehungsstelle (auf Astring) entfernt, niemals nur gekürzt. Die Regel heißt "alles oder nichts".

Dann wird die Krone ausgelichtet, was den Früchten des nächsten Jahres zugute kommt: Mehr Lichteinfall, bessere Ausreifung, weniger Krankheiten. Im übrigen wird nicht in das Holz geschnitten. Außerdem können Langtriebe waagerecht gebunden werden, sie verwandeln sich in Fruchttriebe (Spaliere, Spindelbüsche, Jungbäume). Bei Sauerkirsche nach der Ernte stark auslichten, das abgetragene Fruchtholz auf kleine Nebenäste absetzen. Die Leitäste und der Mitteltrieb werden nicht gekürzt, da sonst die obersten Knospen noch in demselben Jahr durchtreiben würden. Diese Kürzung bleibt dem Winterschnitt vorbehalten. Möglichst nur an trockenen Tagen bei Windstille schneiden. - Die gesetzlichen Regelungen sind zu beachten, danach kann ein Verbot zum Besteigen der Bäume ausgesprochen werden in der Zeit von 5 - 9 (Vogelschutz).

Sommerschnitt für Spalierobst

Aprikosen, Pfirsiche, Süss- und Sauerkirschen sollte man etwa Mitte bis Ende Juli schneiden. Der Baumschnitt von Apfel und Birne sollte bis Mitte August aber abgeschlossen sein. Gekürzt werden beim Entspitzen alle einjährigen Triebe, die aus den Seitenknospen wachsen. Sie werden verringert auf 2-3-4 Blätter. Am besten werden sie festgebunden an den Leitästen.

Winterschnitt

Durch den Schnitt soll der baumgerechte Aufbau, die Fruchtbarkeit und Gesundheit des Baumes erhalten bleiben. Je stärker (= je mehr) zurückgeschnitten wird, desto stärker wird der Frühjahrsaustrieb und umgekehrt. Bei einem Baum mit starker Wuchskraft sollte ein Sommerschnitt vorhergehen. Ein später Winterschnitt schwächt den Trieb, ein früher stärkt ihn. Triebe wachsen um so mehr, je steiler sie stehen und je höher sie sind, d.h. in der Kronenspitze sind die Triebkräfte am größten. Das muss bei dem Schnitt der Saftwaage bedacht werden. Die Saftwaage ist dann ereicht, wenn alle Leittriebe dieselbe Höhe haben, sie werden dann auch gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt. Durch das Gewicht des Obstes werden die Tragäste nach unten gezogen, was die Qualität und Menge der zukünftigen Ernte mindert. Man wählt dann einen in die richtige Richtung nach oben stehenden Zweig als Führung und schneidet den Leitast bis auf den gewählten Zweig zurück. Der mittlere Leitast (Stamm) muss immer etwas höher sein, so dass ein gleichschenkliges Dreieck aus allen Ästen gebildet wird, dessen Spitze der Mittelast bildet (Pyramidenkrone). Um bei Bäumen mit starker Wuchskraft den Wuchstrieb nicht allzu stark durch Schneiden anzuregen, kann man statt des Schneidens Triebe (Ständer) waagerecht stellen. Deren Wuchsgeschwindigkeit wird dadurch gebrochen. Sie bilden im nächsten Jahr Fruchtholz aus. Überhaupt kann man einen Teil der günstig stehenden Ständer belassen. Sie bilden im nächsten Jahr Blütenknospen und Früchte aus, wodurch der Zweig sich von selbst umbiegt und auch im nächsten und übernächsten Jahr viele Blüten hervorbringt. Dann lässt die Fruchtbarkeit nach und es bildet sich an der höchsten Stelle ein neuer Ersatztrieb. Bis dahin wird dann der alte Trieb abgeschnitten. Bei Bäumen mit geringer Wuchskraft kann auch bis in das ältere Holz zurückgeschnitten werden. Manchmal empfiehlt es sich, ganze starke Äste herauszunehmen, statt die Zweige einzeln zu beschneiden. Über 40 % der Zweige sollten beim Winterschnitt nicht entfernt werden. Niemals unter -5° schneiden.

 

Beste Schnittzeit

1 + 3 für Apfel, Birne, Zwetsche/Pflaume (in dieser Reihenfolge), dann Süßkirsche und Spindelbüsche (3, Kirschen aber besser 7/8). Aprikose und Pfirsich kurz vor Knospenaufbruch. Walnuss 8. - Nicht bei Frost schneiden, der Februar ist meistens zu kalt. Junge Apfelbäume bis zum 5. Standjahr frühestens Ende Februar schneiden, sonst droht Schädigung oder Totalausfall bei nachfolgendem starken Frost. Auch im Winter bilden Obstbäume Wundgewebe.

Verjüngung: Siehe Kapitel Veredelungen - Verjüngung.

 

Besonderheiten:

Apfel: Bei Sorten, die sich von Natur aus stark verzweigen und viel Fruchtholz ausbilden wie Golden Delicious, Jonathan, Red Delicious mit ihren Verwandten und Abkömmlingen, muss die übermäßige Fruchtholzbildung verhindert werden, z.B. durch Halbieren des Fruchtholzes. Bei Sorten, die langes oder gar sehr langes Fruchtholz ausbilden und sich ungern verzweigen und zur Verkahlung neigen wie Boskoop, Glockenapfel, Gravensteiner und die Rambour-Familie, muss der Rückschnitt auf ausreichende Verzweigung zielen. Bei Sorten, die kurzes oder mittellanges Fruchtholz ausbilden und sich mäßig verzweigen wie Cox mit Verwandten, Goldparmäne, James Grieve, Oldenburg, gibt es wenig Probleme. Hier müsste gelegentlich der Baum einem Verjüngungsschnitt unterzogen werden. Junge Bäumchen bis 5 Jahre nur ab E 2/A 3 schneiden, sonst besteht die Gefahr von Schädigungen bzw. Totalverlust bei nachfolgendem Frost. - Die Haupternte wird erzielt am zwei- und dreijährigen Fruchtholz.

Birne: Pflanzschnitt nach der Pflanzung. Alle Seitentriebe werden um etwa ein Drittel gekürzt, so dass eine Saftwaage (Enden der Tragäste alle gleich hoch) entsteht. Der Mitteltrieb sollte die Seitentriebe nur um etwa 10 cm überragen. Siehe Pflanzschnitt, weiter oben. - In den nächsten Jahren müssen die Haupttriebe immer zurückgeschnitten werden. Dabei sollte das Ziel einer breiten Krone im Auge behalten werden. Birnen wachsen von Natur aus mit ihren Ästen stark nach oben gerichtet. Diese steil aufragenden Äste müssen müssen schon früh waagerecht gebunden oder beschwert werden, um ein Optimum an Ertrag zu erhalten, am besten vor der Blüte. Werden die Seitenäste zu kurz ausgebildet, muss der Leittrieb kräftig gekürzt werden (Gute Luise). Im allgemeinen sollte er nur 10 - 12 cm die obersten Seitentriebe überragen.

Rückschnitt: Sorten mit kurzem Fruchtholz (Bunte Julibirne, Jules Guyot) auf 4 - 7 Knospen. Sorten mit kurzem bis mittellangem Fruchtholz (Bosc`s Flaschenbirne, Clapps Liebling, Gute Luise, Madam Vertè, Williams Christ) auf 5 - 10 Knospen. Sorten mit mittellangem Fruchtholz (Alexander Lucas, Elsa, Frühe von Trevoux, Gräfin von Paris, Josephine von Mecheln, Konferenzbirne, Köstliche von Charneux, Marienbirne, Nordhäuser Forellenbirne, Tongern) auf 8 - 12 Knospen. Sorten mit mittellangem bis langen Fruchtholz (Vereins-Dechantsbirne) auf 10 - 12 Knospen. Sorten mit langem Fruchtholz (Gellerts Butterbirne, Gute Graue, Minister Lucius, Neue Poiteau, Prinzessin Marianne) werden nicht geschnitten. - Spalierbäume sollten sowohl im Sommer als auch im Spätwinter geschnitten werden.

Die Kronen müssen immer lichtdurchflutet geschnitten werden, damit Schorf keine Chance hat. Bäume, die überreichlich Frucht ansetzen, müssen durch Sommerschnitt und ggf. durch Ausdünnen entlastet werden. Oft ist scharfer Schnitt angebracht, um ein Vergreisen zu verhindern.

Quitte: Sie trägt am zwei- und dreijährigem Holz, bildet auch ausreichend Fruchtholz. Auslichten und Fruchtholzverjüngung genügen. Oft ist die Quitte auf Weißdorn veredelt und bildet viele Wurzelhalstriebe. Diese müssen entfernt werden. Werden sie abgesägt, entstehen rauhe Wunden, die nicht zu einer Neubildung reizen, im Gegensatz zu einem glatten Schnitt.

Süßkirsche: Spätestens mit dem 10. Jahr die Krone über den Quirlen absetzen, dadurch wird das Längenwachstum beendet und die Krone breiter. Sie trägt am zweijährigen Holz, am dreijährigen Holz bildet sie Buketttriebe. Danach tritt Verkahlung ein, die Fruchtäste sollten dann verjüngt werden. Astverletzungen meiden. Sommerschnitt wird empfohlen, besonders da, wo Feuerbrandgefahr besteht. Er dient auch der Eindämmung eines zu großen Wachstums.

Sauerkirsche: Sie bildet vorwiegend am einjährigen Holz Blütenknospen aus. Die Peitschentriebe (besonders bei Schattenmorelle) verkahlen. Sie müssen ständig verjüngt werden, indem man nach der Ernte die Peitschen auf kleine Seitentriebe oder 2 - 3 Augen an der Basis zurückschneidet. Der letzte Termin dafür ist Mi 7, sonst besteht Gefahr der Bleiglanzerkrankung und Erfrieren der nicht ausgereiften Jungtriebe. Auch Pilzkrankheiten können sich dann besser entwickeln. Spätsorten sollten aber erst 2 - 3 geschnitten werden. In jedem Fall nur bei trockenem Wetter. - Im Erwerbsanbau wird oft in einem Jahr die Baumhöhe um ein Meter zurückgenommen, im nächsten Jahr die untere Hälfte verjüngt. - Bei Zweig-Monilia sofort die befallenen Zweige 15 cm tief bis ins gesunde Holz zurückschneiden und verbrennen.

Zwetsche, Pflaume, Reneklode, Mirabelle: Sie haben Blütenknospen am zweijährigen Holz, fruchten am zwei- bis dreijährigem Holz und verkahlen danach. Spitzwinklig abgehende Äste brechen leicht aus. Deswegen immer Konkurrenztriebe entfernen. Fruchtholz muss ständig erneuert werden, die ganze Krone muss durch Absetzen auf Nebentriebe verjüngt werden. Das gilt besonders für stark wachsende Sorten. Man muss die dann entstehenden Langtriebe im folgenden Jahr belassen und nur auslichten. Am besten geeignet ist der Sommerschnitt nach der Ernte, sonst besteht die Gefahr der Bleiglanzkrankheit.

Aprikose: Sie trägt am einjährigen Holz Blütenknospen und bildet an den zwei- bis dreijährigen Trieben Bukette. Mit kräftigem Schnitt immer wieder verjüngen, damit sich einjährige Neutriebe bilden und Kahlstellen vermieden werden. Leitäste immer etwas zurückschneiden, Seitenäste lang lassen; wenn sie alt werden, auf Kurztrieb zurücksetzen. Die kurzen Buketttriebe nicht schneiden. Wunden gut versorgen. Frostgefährdet.

Pfirsich: Nur einjährige Veredelungen pflanzen, und nur im Frühling. Im 2. und 3. Jahr danach werden die Leitäste um die Hälfte des Jahrestriebes zurückgeschnitten. Man unterscheidet Holztriebe, falsche und echte Fruchttriebe, Buketttriebe. Holztriebe haben nur spitze Blattknospen. Auf 2 Augen zurückschneiden. Falsche Fruchttriebe zeigen nur dicke Blütenknospen, dadurch ist die Ernährung der etwaigen Früchte nicht gesichert. Rückschnitt auf 2 Augen. Bukettriebe bleiben ungeschnitten. Echte Fruchtholztriebe haben an der Basis 2 Blattknospen, dann folgen Blüten- und Holzknospen gemischt, am Triebende ist eine Blattknospe. Rückschnitt auf 6 - 8 Augen, d.h. es verbleiben Ansätze für 4 - 5 Früchte. An der verkürzten Triebspitze muss eine Holzknospe sein. Im nächsten Jahr wird auf die beiden Basisknospen zurückgeschnitten. Sie bilden zwei Langtriebe. Der stärkere wird als Fruchttrieb behandelt, der schwächere auf Holzknospen oder Astring zurückgeschnitten. - Pfirsiche sind sehr frostgefährdet. Sie werden immer kurz vor der Blüte geschnitten. Am besten geeignet ist die Hohl- oder Trichterkrone (ohne Mitteltrieb).

Johannistriebe (Ende Juni) sind wasserreich und nährstoffarm. Sie sollten frühzeitig weggeschnitten werden.

Hasel: Ist die Unterlage Corylus colurna, werden im ersten Standjahr alle Nebentriebe am Stamm bis 50 cm Bodenentfernung abgeschnitten, die darüber befindlichen ebenfalls bis auf etwa 3 - 4 kräftige Seitentriebe, die man stehen lässt und aus denen im 2. Standjahr die Leitäste einer Hohlkrone gebildet werden. Dabei muss immer gut ausgelichtet werden, nach innen wachsende Triebe werden entfernt. Da Hasel nur am einjährigen Holz fruchtet, müssen die Fruchttriebe alljährlich auf ein bis zwei Blattknospen über der obersten weiblichen Blütenknospe abgeschnitten werden. Letztere sind klein und rot und befinden sich in den Blattachseln. Man sollte ihr Erscheinen abwarten und erst dann mit dem Schnitt beginnen.

Spalierobst: Es begrünt Mauern und Zäune, für wärmeliebenden Obstbäume wie Aprikosen, Birnen, Kiwis, Pfirsiche oftmals die einzige Möglichkeit. S-, SW-, SO-Lagen sind vorteilhaft. Das Dach sollte möglichst weit überstehend sein. Das Haltegerüst muss stark genug sein, der Stützabstand der einzelnen Etagen sollte etwa einen halben Meter betragen. Entfernung von der Wand ca. 15 - 20 cm, der Wurzelballen sollte möglichst noch weiter entfernt sein. Anbinden mit breiten Bändern. Bäume, die kurzes Fruchtholz bilden, sind besonders gut geeignet (z.B. Birnen Alexander Lucas, Gute Luise, Williams Christ). Apfelbäume brauchen mehr Feuchtigkeit, sie werden deshalb besser freistehend angepflanzt. Für alle gilt, dass das Fruchtholz auf den waagerechten Ästen gleichmäßig verteilt ist. Das lässt sich am besten mit Sommer- und Winterschnitt erreichen. Man pflanzt im Frühjahr ein- oder zweijährige Buschbäume auf schwacher Unterlage (Apfelbäume auf M 9 und M 26, Birnen auf Quittenunterlage) ohne Seitentriebe. Für haushohe Anpflanzung wählt man besser einen Halbstamm. Den Leittrieb kürzt man so ein, dass er etwa 6 cm über dem untersten Teil des Stützgerüstes liegt. Im Sommer wird der neugebildete Mittelast senkrecht angebunden, zwei am günstigsten stehende Seitentriebe werden nach rechts und links umgebogen und auf dem untersten Stützgerüst waagerecht angebunden. Andere Seitentriebe kürzen auf 3 Blätter. Im nachfolgenden Winter wiederum den Haupttrieb einkürzen bis 3 cm über der nächsten Etage. Die beiden waagerecht angebundenen Seitentriebe nur um etwa 1/4 kürzen, wenn sie schwach treiben; deren Seitentriebe auf 4 Blätter zurückschneiden. Die im Sommer auf 3 Blätter gekürzten Seitentriebe ganz wegschneiden. Zwei günstig stehende Seitentriebe auf der oberen Etage wiederum waagerecht anbinden, die darunter am Mitteltrieb wachsenden Seitentriebe auf 3 Blätter kürzen. In dieser Weise wird weiterverfahren, bis die oberste Etage erreicht ist. Dann wird der Mitteltrieb über den obersten Seitentrieben endgültig weggeschnitten. Alle nach oben wachsenden Zweige auf den waagerechten Seitentrieben wegschneiden, deren waagerecht wachsenden Seitentriebe auf ein Blatt einkürzen. Zur Wand gerichtete Zweige werden immer abgeschnitten. Apfel- und Birnenbäume können in dieser Weise streng geometrisch geschnitten werden.

Es gibt außerdem Palmetten mit nach oben im Winkel von 45° stehenden Zweigen, wobei die Länge der Zweige nach oben gleichmäßig abnimmt. Senkrechte Cordons haben nur einen Mittelast mit ganz kurzen Fruchttrieben jeweils unpaarig verteilt. Doppelcordons sind ähnlich, sie werden aber ganz frühzeitig zu einer U-Form gezwungen, indem man den Mitteltrieb abschneidet und zwei Seitentriebe nach oben umleitet. Steinobst lässt sich nicht in dieser strengen Form schneiden, man muss sich den Baumtrieben etwas anpassen, aber auch wie bei Kernobst die Bauart des Hauses mit seinen Fenstern und Balkonen berücksichtigen. Doppeltriebe, sich kreuzende oder zu dicht stehende Triebe werden möglichst noch im grünen Zustand entfernt, bei Bäumen mit schwachem Austrieb wartet man bis zum Spätsommer. Siehe auch 'Obstbaumunterlagen'.

Zwergobst: Diese Obstart ist die Folge kleiner Gärten. Die Unterlage lässt keine großen Kronenzuwächse zu, sodass sich vor allem Fruchtholz bildet und wenig Schnitt erforderlich ist. Längere Seitentriebe werden um ein Drittel zurückgeschnitten, bei Kirschen ganz. Ggf. auch etwas auslichten. - Man muss beim Kauf auf die richtige Bestäubersorte achten, Abstand höchstens 25 m.

Säulenäpfel: Sie wachsen straff nach oben und benötigen im allgemeinen weder Schnitt noch Stützpfahl. Pflanzabstand mindestens 70 cm. Man muss beim Kauf auf die richtige Bestäubersorte achten, Abstand höchstens 25 m. Etwaige längere Seitentriebe werden bis auf 2 - 3 Augen zurückgenommen, Konkurrenztriebe an der Spitze bis auf den kräftigsten entfernt. Ist kein weiterer Zuwachs erwünscht, wird über der letzten Knospe zurückgeschnitten. Säulenäpfel sind nahezu resistent gegen Schorf und Mehltau. Die Pflanzen werden maximal 3 - 4 m hoch und dabei nur 30 cm breit. Um einen guten Fruchtansatz zu erzielen, empfiehlt es sich immer, mindestens zwei verschiedene Sorten anzupflanzen.

Säulenbirnen: Siehe Säulenäpfel. Pflanzabstand 1,50 - 2 m. Mitteltrieb nicht einkürzen.

Säulen-Süßkirschen: Siehe Säulenbirnen. Meistens selbstunfruchtbar. Den säulenförmigen Wuchs durch Schnitt bewahren, falls das notwendig ist. Pflanzabstand 1,50 - 2 m.

Säulen-Sauerkirschen: Meistens selbstfruchtbar und der Wuchs etwas ausladender. Ein Stützpfahl ist oft angebracht. Jährlicher Auslichtungs- und Rückschnitt sofort nach der Ernte.

 

Fehlende Symmetrie

Verzweigt sich ein junger Stamm nicht ausreichend, so dass eine Lücke entsteht, biegt man entweder einen in der Nähe stehenden Zweig um und zwingt ihn durch entsprechenden Schnitt, die Lücke auszufüllen, oder man kerbt über einer am richtigen Platz befindlichen Knospe die Rinde etwas ein, so dass ein ca. 10 mm breites und 3 mm hohes Rindenstück abgenommen werden kann. Mit Baumwachs Wunde verstreichen. Der Saftstrom im Frühjahr wird an dieser Stelle aufgehalten und dazu veranlasst, die Wunde zu schließen und die Knospe oder auch ein schlafendes Auge auszutreiben.

Bypass

Bei Krebs am Stamm kann ein Bypass gelegt werden, um die kranke Stelle herum. Ein kräftiger Zweig desselben Baumes wird in der Art des Tittelpfropfens bzw. Vorspanns gegenüber der befallenen Stelle ca. 10 cm nach oben und 10 cm nach unten gerechnet im leichten Bogen unter die Rinde geschoben und wie eine Veredelung behandelt. Nach Einwachsen und Kräftigung, evt. nach Befestigung des Stammes an einem Pfahl, kann das alte mit Krebs befallene Teilstück herausgesägt werden. Siehe auch 'Veredelungen / Verjüngung'.

Fruchtausdünnung

Der Winterschnitt hat ausdünnende Wirkung, er sorgt damit für größere Früchte, gute Ausreifung und Gesundheit. Bei Beerenobst, Kirschen, Mirabellen, Pflaumen, Renekloden ist es überhaupt die einzige Möglichkeit, auf die Fruchtgröße Einfluss zu nehmen. Bei den großfrüchtigen Obstarten wie Apfel, Birne, Pfirsich muss einzeln mit der Hand ausgedünnt werden, wenn es notwendig ist. Darüberhinaus wirkt sich diese Maßnahme bei Apfel und Birne auch auf die Ausbildung der Blütenknospen im nächsten Jahr aus. Man kann hier schon kurz nach der Blüte beginnen und ganze Blütenbüschel abschneiden, die näher aneinanderliegen als eine Faustbreite. Innerhalb eines Blütenbüschels alle kleinen Früchte bis auf die kräftigste Frucht entfernen. In Anbetracht der Ungewissheit über den Befruchtungsgrad der Blüten wird meistens erst im Juni ausgedünnt, nach dem "Junifall". Alle Früchte, die weniger als 50% tragen, werden abgeschnitten.

Überzählige Früchte werden mit der Baumschere abgetrennt. Damit wird die Fruchtgröße positiv beeinflusst, nicht aber der Blütenansatz des folgenden Jahres wie bei der Blütenausdünnung. Pfirsiche kann man mit der Hand ausbrechen, wenn diese Walnussgröße erreicht haben. Diejenigen Früchte, die sichtbar an Größe zurückgeblieben sind, werden entfernt und außerdem diejenigen, die zu eng aneinander hängen, etwa unter 10 cm Abstand.