Blumenwiese

   

Blumenwiese.

Der 'Rasen' der Bio-Gärtner.

Wer sich für eine Blumenwiese entscheidet, entscheidet sich für üppige ökologische Vielfalt, eine Lebensgemeinschaft von vielen Tieren und Pflanzen. Der Duft der vielen Blumen und des Heus nach der Mahd rufen vielleicht bei vielen vergessene Kindheitserinnerungen wach. Eine solche Wiese schenkt vielen Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlingen, nicht zu vergessen Wildbienen usw. ein Stück unverfälschter Natur, es ist aber auch ein Geschenk an die Gärtnerin, den Gärtner selbst, eine Bereicherung ihres Daseins mit der Möglichkeit, die Natur und ihre Abläufe hautnah zu erleben. - Der Wermutstropfen: Die Blumenwiese darf nicht betreten werden, außer beim Mähen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch Sämlinge von Gehölzen entfernt werden. Man kann allerdings mit dem Rasenmäher eine Schneise mähen, zum Blumen pflücken oder als Passage zu einem anderen Gartenteil.

Eine Blumenwiese kann sich nur auf einem abgemagerten, trockenen, stickstoffarmen Boden entwickeln. Der Boden wird nicht mehr gedüngt, auch das Mähgut wird entfernt. Verdichtete Böden müssen aufgerissen werden, ggf. darüber Mutterboden aufschütten, etwa 20 - 25 cm. Nur sanfte Wellen belassen oder ganz ausgleichen. Böden mit einem pH-Wert unter 6.5 mit Algenkalk oder einem anderen Naturkalk, der Spurenelemente und Magnesium enthält, düngen. Soll sie anstatt eines Rasens entstehen, werden die Grassoden abgetragen und hartnäckige Unkräuter entfernt. Bei nährstoffreichen Böden wird Sand (einige Zentimeter hoch!) eingearbeitet. Vor der Aussaat walzen. Oder der alte Rasen muss mit einer Fräse zerstört oder umgegraben werden. Auch Abdecken mit schwarzer Folie vernichtet die alte Vegetation. Eine gute Vorbereitung ist Gründünger, der vor der Blüte abgemäht wird. Mulchdecke liegen lassen, bis sie etwas angerottet ist. Danach entfernen und Sand mit etwas Kompost oberflächlich einharken. Anschließend Kartoffeln anpflanzen und Mulchdecke wieder aufbringen. Kartoffeln lockern den Boden auf, unterdrücken Unkraut und verbrauchen überschüssige Nährstoffe. Dasselbe tun auch ausgesäte Sonnenblumen. - Baugrundstücke haben oft einen abgemagerten Boden. Er wird oberflächlich mit Sand gelockert, dann können die Blumen ausgesät werden. - Gewissheit bezüglich Eignung des Bodens bietet eine Bodenuntersuchung. - Wenn eine Wiese vorhanden ist, kann man auch nur Teile davon, z.B. ein Rondell, mit Blumensamen einsäen. Entweder belässt man es dann so, oder lässt der Natur ihren Lauf. Die Blumen werden nach und nach die Wiese erobern, wenn diese nicht gedüngt wird.

Blumensamen/Grasgemisch. Das Gemisch (etwa 250 g/100 qm) muss sich den Gegebenheiten anpassen, je nachdem der Boden mehr sauer oder alkalireich, trocken oder feucht, sonnig oder schattig ist. Die Samentüten sollten mindestens 30 verschiedene Blumenarten enthalten, alles nur einheimische Wiesenblumen, keine Feldblumen, auch keinen Klee. Geeignet zum Selbersammeln sind folgende Blumen: Blutweiderich (Lythrum salicaria), Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Kümmel (Carum carvi), scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Wiesenmargerite (Chrysanthemum leucanthemum), Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense), Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis). Als Gräser sollten nur schwachwüchsige und horstbildende Arten verwendet werden, z.B. Goldhafer, Kammgras, Rotschwingel, Wiesenrispe und Zittergras oder es wird ganz und gar auf sie verzichtet. Man kann auch den Blumensamen zusammen mit schwachwachsenden Rasensamen, z.B. Rotschwingel (Festuca rubra), aussäen und später, wenn die Blumen richtig eingewachsen sind, andere kräftige Gräser wie Fuchsschwanz oder Wiesenrispengras nachsäen. Orientierung bietet ein Blick in die nähere Umgebung, er zeigt, was dort auf Blumenwiesen wächst (Sofern überhaupt noch welche vorhanden sind). Samen nicht einharken (meistens sind es Lichtkeimer) und die gesamte Fläche walzen oder festtreten mit Brettern, die man sich an die Füße bindet. Die Saat muss jeden Tag beregnet werden, auch dann noch, wenn schon die ersten Grashalme sprießen. Bester Aussaattermin 8 + 9 oder Frühjahr 5 - 6, nur bei Windstille. Ggf. müssen stark wachsende Unkräuter herausgezogen werden. - Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Natur das immer gleiche verabscheut. Die Wiese wird sich in jedem Jahr anders darbieten, neue Blumen kommen hinzu durch Wind und Vögel, andere sterben aus, weil sie nicht mehr die nötigen Voraussetzungen vorfinden oder weil von aggressiveren Pflanzen bedrängt werden.

Heusaat. Auch die 'Heusaat' ist eine gute Möglichkeit. Aussaat 4 - 9. Samen leicht andrücken und bis zu 8 Wochen feucht halten. Wenn die Gräser sich zu sehr vordrängen, kann man im Herbst den Klappertopf aussäen, der die Gräser schwächt. Nach 2 - 3 Monaten bei 10 cm Wuchshöhe muss erstmals mit der Sense gemäht werden, auch wenn noch viele Blumen in Blüte stehen, damit die Stauden nicht verfaulen. Anschließend wird dann nur noch zwei- bis dreimal im Jahr je nach Nährstoffreichtum des Bodens gemäht, erstmals nach der Hauptblüte (etwa 6,9 bzw.6,8,9-10), Magerwiesen einmal 6-7 (auf trockenen Standorten erst 8) oder 9-10. Es ist ratsam, einen Teil der Wiese ungemäht zu belassen, da Insekten die hohlen Stengel abgestorbener Pflanzen als Wohnquartier beziehen. Auch den übrigen Teil nicht auf einmal abmähen, sondern jeweils mit einem mehrwöchigen Abstand.

Mähen. Wer nicht mit der Sense umgehen kann, sollte für das Mähen nur einen leistungsstarken Sichelmäher, Balkenmäher oder auch einen Luftkissenmäher verwenden, höchste Stufe bei der ersten Mahd ohne Grasfangkorb, dann langsam absenken. Das Schnittgut kann dann in der Sonne getrocknet (mit häufigem Wenden) oder kompostiert werden (Siehe 'Kompostbereitung'). - Eine andere Methode der Umwandlung ist, das übliche Mähen einzustellen, nicht mehr zu düngen und nur noch mit der Sense zu schneiden bei 25 - 30 cm Höhe. Im 1. Jahr etwa vier- bis siebenmal, ab dem zweiten Jahr nur noch bis zu viermal. Es kann dann aber bis zu 10 Jahren dauern, bis sich die Wiesenblumen von selbst einstellen. Beschleunigen kann man den Vorgang durch Schaffung von Blumeninseln, die man nach der Samenreife schneidet. Oder den Boden mit der Harke aufrauen und dann die Blumen aussäen, festwalzen und beregnen. Man kann den Blütenreichtum durch Einpflanzen von Blausternchen, Krokussen, Milchstern, kleinen Narzissen, Schneeglöckchen usw. vergrößern. Die Wildformen sind in der Regel zum Verwildern am besten geeignet.

Folgende Blumen sind für Blumenwiesen hervorragend geeignet: Blut-Storchschnabel, Färberkamille, Flockenblume, Gänseblümchen, Glockenblume, Grasnelke, Große Bibernelle, Johanniskraut, Kleine Braunelle, Knäuelglockenblumen, Kronwicke, Kuckucks-Lichtnelke, Kümmel, Löwenzahn, rauer Löwenzahn, Silberdistel, Spitzwegerich, Schafgarbe, Vogelwicke, Wegwarte, Weiße Lichtnelke, Weißklee, Wiesenbocksbart, Wiesenglockenblume, Wiesenkerbel, Wiesenklee, Wiesenknöterich, Wiesenmargerite, Wiesensalbei, Wiesenstorchschnabel.

Stauden. Werden höhere Stauden ausgesät, darf nur ein- bis zweimal gemäht und die Wiese nicht betreten werden, da sich diese Blumen nicht wieder aufrichten. Wer sie gelegentlich betreten oder sonstwie benutzen will, muss öfters mähen, je nach Art der Blumen 3-6 mal. Eine Blumenwiese nicht düngen, vor allem nicht mit Stickstoff, sonst werden Gräser und Klee zu sehr gefördert. Nur wenn der Boden allzusehr abgemagert ist, kann eine leichte Kompostdüngung die Blühfreude anregen. Um zu verhindern, dass einige robuste Bumen die empfindlicheren aus dem Felde schlagen, sollte man alle drei Jahre neuen Samen aussäen, um die Vielfalt zu erhalten. Sollte der Löwenzahn überhand nehmen, muss der Boden mit Sand abgemagert werden (bis zu 10 cm hoch, je nach Bodenart, einfräsen). Anschließend neu aussäen. Da er zu seiner Existenz Kali benötigt, darf damit überhaupt nicht gedüngt werden. Kommen Unkräuter wie Melde oder Disteln aus einem früheren Gartenboden hoch, muss mehrmals mit der Sense etwa 8 - 10 cm hoch abgemäht werden. Im Jahr zwei- bis dreimal mähen, wenn der Höhepunkt der Blüte vorbei ist. Danach das Gras liegen lassen, mehrmals wenden und dann kompostieren.

Samenansatz. Haben die Blumen schon Samen angesetzt, verfahren wie vor, aber warten, bis die Samen herausgefallen sind aus ihren Kapseln, danach ebenfalls kompostieren oder als Mulch verwenden.

Fertige Mischungen. Es gibt im Handel fertige Mischungen, z.B. für Säume: Hof Berggarten, Syringa 'Wildblumen für die Hecke-Sonniger Saum', Rieger-Hofmann 'Wärmeliebender Saum'. Magerwiesen: Syringa 'Wildblumen für die Flur, Magerwiese...'. Fettwiesen: Syringa 'Sonnige Wildblumenwiese', für eine 'blühende Waldwiese' von Sperling, 'Sperling's Blumenrasen', 'Das blühende Kornfeld' von Sperling, 'Japanischer Blumenrasen Mischung' von Sperling usw.