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Petersilie

Petersilie (bot. Petroselinum neapolitanum, crispum)


Petroselinum crispum. Doldenblütler. Schwachzehrer.Petroselinum crispum, Petersilie

Herkunft:
Sonnige, besser halbschattige Lage. Neutraler, lockerer, durchlässiger Boden, nährstoffreich, aber altgedüngt, kalkhaltig und feucht. Samen sind nur 2 Jahre keimfähig. Zweijährig, nicht kälteempfindlich. Düngen mit Algenkalk, Steinmehl und Kompost. Humofix-Saatbad. Aussaat 2 - 8, Saattiefe 0,5 - 1 cm, an Ort und Stelle oder im Frühbeet. Keimdauer 15 - 30 Tage bei 10 - 18° oder länger, deshalb empfiehlt sich Radies oder Kresse als Markiersaat und die nachfolgend beschriebene Vorkeimmethode. Reihenabstand 25 - 30 cm. Ernte 6 - 10/12. Einmaliges Austrocknen gefährdet den Erfolg.

Der Vorteil bei später Aussaat (8) ist, dass weniger Pilzkrankheiten zu befürchten sind und sich die Erntezeit über zwei Jahre erstreckt. Bei genügendem Kältereiz im Winter blüht die Pflanze 6 - 7. Mit Vlies abdecken gegen Kälte und zufliegende Möhrenfliege und Läuse, die verschiedene Viruskrankheiten übertragen können. Auf Schnecken achten bei junger Saat! Die Wurzeln können unseren Winter überstehen, die Blätter vertragen nur leichte Fröste.

Vorkeimen zwischen Filterpapier auf feuchtem Sand in durchsichtiger Plastikdose beschleunigt die Keimung. Nach Keimungsbeginn mit trockenem Sand mischen und sofort aussäen. Siehe auch 'Aussaat- B. Aussaat im Freien'. Nach dem Auflaufen übersprühen mit Zwiebelschalenwasser, Schachtelhalmtee und Neudovital. Auch Ringelblumenjauche fördert Gesundheit und Abwehrkraft. Petersilie nicht länger als zwei Jahre am Platze lassen, sondern stets mit Knoblauchtee gießen. Ausgereifter eigener Samen soll weniger anfällig sein gegen die verschiedensten Petersilienkrankheiten.

1) Blattpetersilie. Petroselinum crispum ssp. Crispum.

Herkunft: Die Blätter sind entweder glatt oder kraus. Letztere ist beliebter, sie ist milder, hat weniger ätherisches Öl gegenüber der glattblättrigen Sorte, die kräftigeres Aroma hat, robuster ist und mehr Vitamine und Mineralstoffe enthält. Aussaat 3 - 8. Juli-/Augustaussaat ist besonders zu empfehlen. Mischkultur mit Gurken, Kartoffeln, Knoblauch, Kohl, Möhren, Porree, Radies, Rettich, Ringelblumen, Rosen, Spargel, Tagetes (Nematoden), Tomaten und Zwiebeln. Boden pH 6 - 6.5, Abstand der Reihen 10 - 15 cm, in der Reihe verziehen auf 4 cm. Ernte den ganzen Sommer über, immer die Herzblätter stehen lassen. Rückschnitt bei krankem Aussehen und Blütenentwicklung führt zum kräftigem Neuwuchs. Mit Beettunnel kann auch im Winter geerntet werden.

Petersilienblätter können getrocknet (aber wenig ratsam) und eingefroren werden. Im gefrorenen Zustand zerfallen sie durch Drücken in kleine Teilchen, wenn man sie in einem Plastikbeutel eingefroren hat. Die Wurzeln sind ungenießbar. Die Blätter niemals erhitzen. Mehrere Wurzeln im Spätherbst ausgegraben und in einen Blumentopf gepflanzt schlagen erneut aus. Sie sollten so hell wie möglich und kühl gestellt werden.

Wirkung: Die Früchte enthalten äther. Öl mit 60% giftigem Apiol (Kampferart), Cumarine, Myristicin, Flavonglykosid Apiin, ca. 20% fettes Öl mit Petroselinsäure und Allyltetramethoxybenzol; die Blätter enthalten 7% äther. Öle, Apigenin, auch etwas Apiol, 20% pflanzliche Öle, Glykosid Apiin, Cumarine, Myristicin, Allyltetramethoxybenzol, Mineralstoffe (Eisen, Kalium, Kalzium, Mangan, Phosphor), Vitamine A,B, viel Vitamin C, E; Karotin und Schleimstoffe, Nitrat (siehe unter Inhaltsstoffe Obst-/Gemüse - 'Nitrat/Nitrit/Nitrosamine'). Melatonin, Phtalide, Kieselsäure, Apigenin. Der Myristicingehalt der krausen Blattpetersilie ist besonders hoch, die glatte Rasse enthält Myristicin und Apiol zu etwa gleichen Anteilen. Die Psoralene können zusammen mit UV-Bestrahlung verbrennungsähnliche Flecken auf der Haut hervorrufen.

Resistente oder tolerante Gemüsesamen:

Gigante d'Italia (Bingenheimer, Kiepenkerl), glatte Schnittpetersilie mit großen Blättern und kräftigen Stielen. Bei Frühjahrsaussaat und ungünstigem Witterungsverlauf besteht nach dem ersten Schnitt erhöhte Schossgefahr. Sehr ertragreich. Gute Eignung für Herbsternte.  
Grüne Perle 2, feingekraust. (Pötschke, Sperli, TOM-Garten). Dichtgefüllte, sattgrüne Blattpolster auf kräftigen Stielen. Weitere Ernte nach Überwinterung ist möglich. Bio-Saatgut.
Mooskrause 2/Grandeur. (Kiepenkerl). Typ Mooskrause 2. Mit sehr aromatischen, dicht gekraustem, dunkelgrünem Laub. Besonders robust.

2) Wurzelpetersilie. Petroselinum crispum var. Tuberosum.

Herkunft: Die Wurzelpetersilie hat glatte, aromatische Blätter und eine weiße, bis zu 20 cm lange Rübe. Die Blätter sind besonders aromatisch. Die Wurzel wird als Suppenwürze verwendet. Boden pH 6-7/7,5, tiefgründig, nicht zu feucht. Aussaat 3 - 5, Abstand der Reihen 30 cm, verziehen auf 5 - 6 cm in der Reihe. Die Wurzelpetersilie nicht zu oft gießen. Mischkultur mit Erbsen, Roter Bete, Salat, Tomaten. Ernte 10 - Frosteintritt. Lässt man sie im Freiland, müssen sie gut abgedeckt werden, z.B. mit lockerer Erde, 10 cm hoch. Sie vertragen starken Frost unter Schnee, keinen Kahlfrost über -10°. Sonst werden sie im Spätherbst geerntet und im Keller frostfrei bei tiefen Temperaturen in feuchtem Sand eingelagert. Sie gewinnen dort an Aroma. Man kann sie auch wie Schnittlauch in einen Pflanzkübel oder Topf mit nährstoffarmer Erde oder Sand verpflanzen, die Herzblätter bis auf die innersten Blätter abschneiden und an einen hellen, kühlen Platz stellen. Sie treiben dann wieder schnell aus.  -  Angefrorene Rüben nicht ernten, sie werden matschig beim Auftauen.

Heilwirkung: In der der Wurzel sind Apiol (!), Furanocumarine und Myristicin enthalten. Vorsicht vor übermäßigem Genuß, besonders auch bei Schwangeren. Das äther. Öl zusammen mit Apiol ist ein örtlich stark reizendes Gift, es kann zentrale Lähmung, Kreislaufschädigung, Nierenreizung und fettige Entartung des Leberparenchyms verursachen, die Cumarine verursachen erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. -  Petersilie nicht zu fein schneiden, sonst geht Aroma verloren. Im Winter sollte man Einsalzen vorziehen.

Petersilie Mooskrause 2/Smaragd, Sperling's. Schnellwüchsig, ertragreich.

3) Petersilie. Petroselinum crispum. Krausblättrige Petersilie. Sie ist wesentlicher weniger aromatisch als die Blattpetersilie.

Herkunft: Petersilie kann man noch lange ernten bis in den Winter hinein. Durch Vlies oder Folienabdeckung kann diese Zeit noch weiter ausgedehnt werden. Die Blätterstängel immer ganz unten abschneiden, die inneren Herzblätter stehen lassen. -  Für den Winter kann Petersilie eingefroren oder in Essig konserviert werden, Trocknung ist weniger geeignet.

Heilwirkung: Petersilie gilt als Mittel gegen Blähungen und Magenverstimmungen (neutralisiert die Magensäure), bei Blasen-, Leber- und Nierenleiden, bei Gicht und Rheuma, bei Kreislaufschwäche, bei zu hohem oder zu niedrigen Blutdruck. Es entwässert, sollte aber niemals überdosiert werden, vor allem nicht bei Schwangeren, weil die Phytoöstrogene die Gebärmutter anregen. Als Herzwein (Hildegard von Bingen) wirkt er kreislaufanregend. Das Eisen hilft gegen Anämie und die Phytoöstrogene regen die Menstruation an. Andererseits trägt die Petersilie dazu bei, dass sich der Uterus zurückbildet und die Milchbildung forciert wird.

Bei Osteoporose trägt sie durch ihren Mangangehalt dazu bei, dass die eingenommenen Kalktabletten besser aufgenommen werden. Weitere Unterstützung durch kupfer- und zinkhaltige Nahrungsmittel. Siehe auch 'Inhaltsstoffe Obst/Gemüse', Haupt- und Mengenelemente - Kalzium.

Zahnschmerzen: Brei aus zerstampften Petersilienblättern hilft zusammen mit Salz und Öl gegen Zahnschmerzen. Die Blätter werden zerkaut gegen den Knoblauchgeruch. Ethylen (Äpfel usw.) machen die Blätter gelb. Petersilienwasser wird äußerlich gegen Sommersprossen angewendet.

Gewürzpflanze: Die Petersilie wird für viele Gerichte verwendet: Eier-, Fisch-, Fleisch-, Geflügel-, Kartoffelgerichte, Kräuterbutter, Muscheln, Nudel-, Reisgerichte, Salate, Soßen, Suppen und Marinaden. Sie wird immer zum Schluss beigefügt.

Allergien: Petersilie kann relativ häufig auch Allergien auslösen, bei manchen passiert das schon bei Hautkontakt. Damit gesellt sie sich zu anderen Kräutern, die alle eine allergiesierende Wirkung nachgesagt werden. Die anderen sind Anis, Dill, Fenchel, Koriander, Lauch und Sellerie.

Nebenwirkungen: Hasen, Kaninchen und andere Tiere fressen gern die Blätter ab.

Abwehr von Schädlingen: Abwehr von Schädlingen durch Radies, Rettiche, Tomaten und Zwiebeln. Förderung von Florfliegen, Raupenfliegen, Schwebfliegen, Weichkäfern und Wespen.

Ungünstige Nachbarn: Estragon, Garten-/Kapuzinerkresse, Kerbel, Kopf- und Pflücksalat, Koriander und (Schnitt-)Sellerie, ungünstig Roggen als Vorfrucht. Keine Vor- und Nachkulturen von Petersilie, die mit sich selbst unverträglich ist, und von anderen Doldenblütlern wie Dill, Fenchel, Kerbel, Möhren, Pastinaken und Sellerie. Mindestens Dreijahresabstand einhalten. Keineswegs Petersilie mit (Zier)-Lauch zusammenbringen, sie vertragen sich nicht. Bei Gefährdung durch etwaige Schadkeime Saatrillen vor der Aussaat mit kochendheißem Wasser begießen.

Nematoden: Bei Nematodengefahr Tagetes als Mischkultur. 

Krankheiten: Siehe auch Krankheiten Möhren/Sellerie. - Kreuzallergien können bestehen zwischen Petersilie und Beifußpollen/Gras- und Getreidepollen/Apfel/Nuss. -  Frostsaat ist möglich.

Mückenstiche: Einreiben der Haut mit Petersiliensaft hilft gegen Mückenstiche.

Besonderer Fall: Niemals die dünnen Stiele der Petersilie im Winter für Aroma usw. nutzen.  


 

Schadbild Vorbeugung Bekämpfung
Auflaufkrankheiten
Keimlinge fallen um, die Wurzel ist teilweise schwarz. Siehe 'Umfall-/Auflaufkrankheiten'.    
Blattfleckenkrankheit
Septoria petroselini. Pilzinfektion. Braune oder graue Flecken auf Blättern und Stängeln, später schwarze Punkte, in denen die Fruchtkörper sind. Geschwächte Pflanzen (Wurzelläuse!) werden besonders oft heimgesucht. Siehe 'Blattfleckenkrankheiten'. Resistente Sorten wählen wie Clivi, Grüne Perle, Mooskrause. Lange gärtnerische Erfahrung zeigt, dass selbst gewonnenes Saatgut aus gesunden Pflanzen besonders widerstandsfähig ist. Keine Hybrid-Sorten dazu verwenden. Im Winter die für Vermehrung ausgesuchten Pflanzen mit Fichtenreisig schützen. Radikaler Rückschnitt.
Blattläuse
Die Läuse befinden sich in den Höhlungen der gekrausten Blätter. Sie verlassen ihre Plätze beim Waschen, sobald die Petersilie in sehr warmes oder salziges Wasser getaucht wird. Siehe auch 'Blatt-/Blutläuse'. Bei Düngung mit Kompost und Steinmehl treten kaum Blattläuse auf.  
Diverse
Siehe auch Möhren, Pastinaken und Sellerie.    
Gelbwerden der Blätter
Ursache: 1) Magnesiummangel . Ursache: 2) Möhrenfliege. Ursache: 3) Nematoden. Ursache: 4) Trockenheit . Ursache: 5) Läuse in warmen Lagen. Ursache: 6) Pilzbefall (Plasmopara petr.). Frühjahrssaaten vergilben oft im Laufe des Sommers. Andere Pflanzen, die starkes Ethylen ausströmen, können ebenfalls die Blätter vergilben, siehe 'Ethylen (Äthylen)' unter 'Inhaltsstoffe Obst-/Gemüse'.

1)Algenkalk, Dolomitgraukalk, Steinmehl 2)Siehe Möhrenfliege  3)Ringelblume und Tagetes säen. 4)Boden feucht halten 6)Sorte 'Einfache Schnitt' aussäen. Lange gärtnerische Erfahrung zeigt, dass selbst gewonnenes Saatgut aus gesunden Pflanzen besonders widerstandsfähig ist. Keine Hybrid-Sorten dazu verwenden. Im Winter die für Vermehrung ausgesuchten Pflanzen mit Fichtenreisig schützen.

5)Spruzit 6)Versuch mit Schachtelhalmtee oder Elot-Vis, sonst vernichten.
Möhrenfliege
Psila rosae. Glänzend-schwarze Fliege mit gelben Beinchen. Sie kann vom Wind getragen über mehrere hundert Meter zufliegen. Die weißen Eier werden abends an den Wurzelhals abgelegt, vor allem Mi 4-7 und 8. Die 2. Generation bildet größte Gefahr (7/8). 2 - 3 Generationen. - Weißliche Maden, ca. 6 - 9 mm lang, in der Wurzel der Wurzelpetersilie. Rötlicher Kot. Folgeinfektionen. Kraut wird rötlich und stirbt ab. Befallen auch gelegentlich Dill, Kerbel, Kümmel, Pastinake, Sellerie. 6 - 9 am meisten gefährdet. Überwinterung im Boden als Made oder Puppe, bzw. als Made in befallenen Möhren. Bäume und Sträucher fördern den Befall.Siehe 'Möhren/Karotten'.    
Nematoden
Blätter welken, Pflanzen kümmern. Siehe 'Nematoden'.    
Ohrwürmer
Ohrwürmer fressen das Kraut. Siehe 'Ohrwürmer'.    
Schnecken
Vor allem die neu aufgegangenen Keimlinge werden gern gefressen. Siehe 'Schnecken'.    
Schwarzfäule
Verschiedene Pilze, Verursacher hauptsächlich Alternaria petroselini. Kraut wird braun, dann dunkel, fault später. Keime werden befallen und gehen nicht auf. Schwarze Flecken an den Wurzeln. Siehe 'Möhren-Karotten'  - Schwarzfäule. Keine stickstoffbetonte Düngung. Fruchtwechsel. Samen beizen mit Heißwasser 50°, 30 Minuten. Jungpflanzen nicht zu früh auspflanzen. Befallenes vernichten, Kalkstickstoff in den Boden einarbeiten. Mehrere Jahre lang Möhren und Sellerie nicht an derselben Stelle kultivieren.
Sellerieschorf
Phoma apiicola. An den Wurzeln entstehen rötlich-braune Flecken. Fäulnispilze und Bakterien dringen ein in das Gewebe, so dass die Wurzeln verfaulen. Siehe Schorfkrankheiten. Keine stickstoffbetonte Düngung. Fruchtwechsel beachten. Mischkultur mit Zwiebeln. Pflanzenstärkungsmittel, ggf. vernichten.
Wurzelläuse

Die Wurzelläuse (Blasen- und Röhrenläuse) sind hell, glänzend und rundlich, oft wie gepudert aussehend (Wachsausscheidung). Sie leben in Kolonien im Wurzelbereich von Pflanzen. Sie scheiden Homigtau aus, der von Roten Wiesenameisen gesammelt wird. Beide treten deshalb oft zusammen auf. Winterwirt der Blasenlaus ist die Schwarzpappel, Winterwirt der Röhrenlaus verholzende Pflanzen, wahrscheinlich z.B. Weiß- oder Rotdornbüsche. Die Blasenläuse fliegen im Frühsommer zu den Kulturen und gebären dort hunderte ungeflügelter Läuse. Diese bilden im Herbst Flügel aus und fliegen zurück zu den Pappeln, um dort Eier abzulegen. Die Jungtiere schlüpfen im Frühjahr und bilden auf den Blättern Gallen, die blasenähnlich aussehen. Die daraus schlüpfenden geflügelten Blasenläuse fliegen im Juni in die Gärten, das Spiel beginnt von neuem. -  Die Wurzelläuse wählen ihre Ziele, vor allem Möhren und Salat, nach Blattfarbe und Geruch aus. Fahles oder gelbliches Grün werden bevorzugt, das bedeutet, dass kranke Pflanzen angeflogen werden, entstanden durch Staunässe, Bodenverkrustung oder fehlerhafte Düngung. Siehe Salat und 'Wurzelläuse'.